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Thamnophis sirtalis parietalis II


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Umzug Im März 2001 erwarb ich drei junge Thamnophis parietalis. Die Nattern, ein Männchen und zwei Weibchen (NZ 06/00), bezogen zunächst ein kleines Quarantänebecken. Das war ausgelegt mit Küchenkrepp, ein Korkstück zum verstecken und ein Blumenuntersetzer (Ton) als Trinkschale.
Die Schlangen lebten sich dort überhaupt nicht ein. Sie waren extrem panisch, d.h. sobald man sich nur dem Becken näherte, schossen sie in ihrem Mini-Terrarium hin und her. Ein weiteres merkwürdiges Verhalten: die Wasserschale wurde ständig umgestoßen. Das lief immer gleich ab: ich belegte den Boden mit frischem Krepp und stellte die Schale hinein. Die Strumpfbandnattern kamen, krochen irgendwie von der Seite unter den Rand des 'Tellers' und kippten das Wasser aus. 
Ich legte alles trocken, wechselte das Krepp und machte wieder alles frisch. Das Wasser wurde aber sogleich erneut ausgeschüttet. Dieses 'Spiel' hätten wir wohl beliebig fortsetzen können ... Mit der Zeit ließ ich die Tiere walten und es gab mittags und abends jeweils frisches Wasser. Manchmal konnte ich beobachten, wie sie kurz tranken, bevor sie das Wasser ausschütteten...
Ein weiterer Punkt war das Fressen dieser drei Tiere. Am zweiten Tag bot ich ihnen Stinte an. Nach meinen Beobachtungen nahm jedes Tier einen Stint auf. Ich wunderte mich zwar, denn Th. parietalis gelten als sehr gute Fresser, aber ich dachte zunächst an den Transportstress, der sie evtl. noch belasten würde. Nun, sie gingen in den folgenden vier Wochen nicht mehr freiwillig an ihr Futter. Ich versuchte es mit Stint, mit lebenden Fischen in verschiedenen Größen, mit toten und lebendigen Babymäusen. Die Schlangen fraßen nichts. Sie zeigten aber meist ein Interesse, denn das Futter wurde gepackt und vom Teller gezogen. Sie ließen es aber dann irgendwo liegen und versteckten sich wieder. Auch absolute Ruhe des nachts änderte nichts.

Nach vier Wochen hatte sich auch die Panik nicht gelegt. Sobald jemand auf etwa einem Meter Abstand an das Quarantänebecken trat, spielten die Parietalis verrückt. Ich entschloß mich, sie in ein größeres Terrarium umzusetzen, etwas natürlicher eingerichtet und mit noch mehr Versteckplätzen. 
Als Substrat verwendete ich Buchenspäne, einige Korkstücke waren zum Klettern und als Unterschlupf vorhanden, ein Stein als Wärmeplatz und natürlich ein Wassernapf. 

Inspektion Ich begutachtete die Drei dabei nochmals genau. Zunächst stellte ich fest, daß es doch zwei männliche und ein weibliches Tier waren (Längenmaße: 40, 36 und 33 cm). Da hatte der Züchter wohl geirrt, aber das war im Moment Nebensache. Auffällig war, daß die Tiere am Handling erst sehr wild reagierten, dann plötzlich wie apathisch in der Hand lagen. Es sah aus, aus stellten sie sich tot. Dabei konnte man gut sehen, wie das kleine Herz raste. Um ihnen weiteren Stress zu ersparen, setzte ich sie dann in ihr neues Quartier. Umzug 2

 (Auf diesen Fotos (oben) haben die drei Thamnophis parietalis ihr neues Terrarium gerade bezogen. Sie untersuchen ihre Umgebung sehr genau)

Nach dem Umsetzen waren die Nattern intensiv damit beschäftigt, ihr neues Revier zu untersuchen. So bemerkten sie es nicht, daß ich noch vor dem Becken stand, um die Fotos zu machen ... um die letzte Fluchtmöglichkeit zu verbauen, wurde der Spalt zwischen den Schiebetüren mit einem Klebestreifen verklebt. 

Jeder Winkel wird abgesucht. Hier klettert die Schlange am Kork nach oben ...

Klettern Klettern 2 Klettern 3 klettern klttern
... die Hälfte des Weges ist geschafft ... ... nun ist sie in der oberen Ecke angelangt.

An den folgenden Tagen konnte ich die Tiere immer auf dem Stein beim Sonnen beobachten oder sie lagen unter einem der Korkstücke. Sollte das die Lösung der Probleme sein? Ich ließ die Strumpfbandnattern eine Woche in Ruhe, lediglich das Wasser wurde gewechselt. Dann sollten sie wieder fressen. Um das kontrollieren zu können, wollte ich die Tiere aus dem Terrarium entnehmen und in Einzelboxen setzen. Da kam der nächste Schrecken für mich. Es waren nicht mehr drei Tiere sondern nur noch zwei zu finden. Ich durchsuchte das ganze Becken, das Substrat, jeden Winkel ... nichts! Dann nahm ich das Terrarium von seinem Schrank und schaute von außen hinter die Korkverkleidungen ... auch dort hatte sich die kleine Schlange nicht versteckt. Sie war und blieb verschwunden! Entwichen sein konnte sie nicht, da ich bei jedem Wasserwechsel sehr sorgsam gewesen war, außerdem hatte ich zwei Tage zuvor noch alle drei Tiere gesehen. Der Klebestreifen an den Türen war ebenfalls fest gewesen. Also blieb nur eine Antwort: die Große hatte sich über den Kleinen hergemacht. Ich sah mir das größte Tier an und konnte nur feststellen, daß es nicht gerade aussah, als hätte es vier Wochen nichts gefressen ... warum hatte ich soviel Pech mit diesen Tieren? Ich stand allmählich vor einem Rätsel !
Die beiden verbliebenen Tiere setzte ich dennoch in jeweils eine kleine Box. Der Großen noch Futter anzubieten, hielt ich für unnötig. Dem kleineren Männchen legte ich drei Stinte hin, die er aber erwartungsgemäß nicht anrührte. Nachdem er eine Stunde Zeit hatte, entschloss ich mich, ihn zu stopfen. Ich weiß, das ist keine gute Methode, eine Thamnophis ans Fressen zu bringen, aber es war allmählich die letzte Chance, ihn wenigstens am Leben zu halten. Also bekam er seine Stinte per Pinzette unter sanfter Gewalt verabreicht. Was mich ein wenig ärgerte dabei war, daß dieses kleine Biest nicht einmal bereit war, irgendwann zu Schlucken anzufangen. So mußte ich jeden der Futterfische langsam und behutsam zum Magen massieren. Dabei stellte ich den nächsten 'Mangel' fest: er hatte am Hals eine lange Narbe, die quer von einer zur anderen Seite verlief. War das der Grund dafür, daß er nicht schlucken mochte? Mit dem letzten Stint verabreichte ich ihn eine Dosis Vitamine, die ihm ganz sicher gut tun würden. Danach betrachte ich ihn nochmals unter einer hellem Lampe. Ich stellte weitere ältere Narben um Körper fest. Bei einigen reagierte er bei Berührung mit einem Zucken, er hatte dort vermutlich noch Schmerzen ... dann setzte ich ihn zurück in seine Box und hoffte, daß er sein Futter nicht wieder auswürgen würde.
Die Nattern blieben über Nacht in ihren 'Einzelzellen'. Zwischenzeitlich hatte ich andere Halter von Strumpfbandnattern und auch den Züchter der mir die Tiere verkauft hatte, kontaktiert. Niemand konnte sich das komische Verhalten meiner Tiere erklären ... naja ich auch nicht, aber ich saß mit den Problemen da ... Immerhin verdaute der Parietalis-Mann sein Futter, ein kleiner Erfolg.

Bezüglich des unnormalen Verhaltens und der Ernährungsprobleme wandte ich mich an meinen Freund Jürgen Chlebowy. Er riet mir, den Tieren bei der nächsten Fütterung Regenwürmer anzubieten, da die Thamnophen oft wenigstens Regenwürmer annehmen, wenn sie ansonsten nichts wollen. Besonders Jungtiere, die mitunter nicht sofort fressen wollen, nehmen gern Regenwürmer an. - Gut, ich versuchte es. Im typischen Aprilwetter, zwischen zwei Schnee- und Hagelschauern bewaffnete ich mit einem Spaten und suchte im Garten nach Beute. Ich fand schnell vier Exemplare, zwei recht stattliche von etwa 15cm und zwei kleine von ungefähr 3-4 cm Länge. 

Wurm 1 Wurm 2 Um das Männchen nicht wieder in Panik zu versetzen, bekam er die beiden kleinen Würmer in seinen Napf. Ich rechnete eigentlich nicht damit, daß er sie anrühren würde, stellte ihn aber halbdunkel an einen ruhigen Platz. Auch habe ich darauf verzichtet, ihn mit dem Fotoapparat zu belästigen.

Das Weibchen erhielt die beiden großen Würmer. Es dauerte keine fünf Minuten, da waren die unter Anwendung größter Geschicklichkeit in ihrem Bauch verschwunden!

Der erste Regenwurm wurde doppelt genommen und verzehrt

Auf dem Foto (rechts außen) ist die Thamnophis auf der Jagd nach dem zweiten Regenwurm. Schnell hat sie ihn gepackt und noch schneller ist er aufgefressen. - Die Dame machte nicht Eindruck, als hätte sie nie in ihrem Leben einen Regenwurm gesehen. Eher hatte ich das Gefühl, sie erkannte Regenwürmer als Futter recht gut!

2. Wurm wird gefangen

Wurm 2 ist weg Nach dem Verzehr der beiden Würmer sah sie zwar nicht so aus als wäre sie satt, aber ich beließ es für diesen Tag bei den beiden Futtertieren.

Etwa zwei Stunden später schaute ich nach dem Männchen. Ich war sehr erfreut, denn auch er hatte seine Regenwürmchen gefressen!
Ob dies nun der Beginn eines 'geregelten Lebens' sein sollte? Abwarten!
Immerhin blieb das panische Verhalten der beiden Tiere auch weiterhin und ich ließ sie vorerst auch in ihren kleinen 'Einzelzellen'.

fertig

Interessant war hier zu beobachten, daß das Weibchen hier ihren Wassernapf akzeptierte. Das Männchen hingegen arbeitete so lange mit 'Schlängelbewegungen', bis der kleine Wassernapf wieder leer war! Dann legte er sich dort hinein und ruhte.

Das Weibchen nahm von da an keinerlei Nahrung mehr zu sich und eines Tages starb sie. Das kleine Männchen lebte noch eine Weile in seinem kleinen Notbehelf. Er fraß zunächst weiterhin schlecht. Nach Wochen schnappte er sich dann bei einer Fütterung eine Babymaus.  Vielleicht war das sein Schlüsselerlebnis, zumindest veränderte er sich von da an vollkommen. Er nahm jetzt immer Futter an und machte allgemein einen ruhigeren Eindruck.

- Fortsetzung hier -

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© R. Kohlmeyer 2000 - 2004

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