(Die Fotos dieser Seite sind per Mausklick in Vergrößerung zu sehen.)
Nach dem Umsetzen waren die Nattern intensiv damit beschäftigt, ihr neues Revier zu untersuchen. So bemerkten sie es nicht, daß ich noch vor dem Becken stand, um die Fotos zu machen ... um die letzte Fluchtmöglichkeit zu verbauen, wurde der Spalt zwischen den Schiebetüren mit einem Klebestreifen verklebt.
Jeder Winkel wird abgesucht. Hier klettert die Schlange am Kork nach oben ...
An den folgenden Tagen konnte ich
die Tiere immer auf dem Stein beim Sonnen beobachten oder sie lagen unter einem
der Korkstücke. Sollte das die Lösung der Probleme sein? Ich ließ die
Strumpfbandnattern eine Woche in Ruhe, lediglich das Wasser wurde gewechselt.
Dann sollten sie wieder fressen. Um das kontrollieren zu können, wollte ich die
Tiere aus dem Terrarium entnehmen und in Einzelboxen setzen. Da kam der nächste
Schrecken für mich. Es waren nicht mehr drei Tiere sondern nur noch zwei zu
finden. Ich durchsuchte das ganze Becken, das Substrat, jeden Winkel ... nichts!
Dann nahm ich das Terrarium von seinem Schrank und schaute von außen hinter die
Korkverkleidungen ... auch dort hatte sich die kleine Schlange nicht versteckt.
Sie war und blieb verschwunden! Entwichen sein konnte sie nicht, da ich bei
jedem Wasserwechsel sehr sorgsam gewesen war, außerdem hatte ich zwei Tage
zuvor noch alle drei Tiere gesehen. Der Klebestreifen an den Türen war
ebenfalls fest gewesen. Also blieb nur eine Antwort: die Große hatte sich über
den Kleinen hergemacht. Ich sah mir das größte Tier an und konnte nur
feststellen, daß es nicht gerade aussah, als hätte es vier Wochen nichts
gefressen ... warum hatte ich soviel Pech mit diesen Tieren? Ich stand
allmählich vor einem Rätsel !
Die beiden verbliebenen Tiere setzte ich dennoch in jeweils eine kleine Box. Der
Großen noch Futter anzubieten, hielt ich für unnötig. Dem kleineren Männchen
legte ich drei Stinte hin, die er aber erwartungsgemäß nicht anrührte.
Nachdem er eine Stunde Zeit hatte, entschloss ich mich, ihn zu stopfen. Ich
weiß, das ist keine gute Methode, eine Thamnophis ans Fressen zu bringen, aber
es war allmählich die letzte Chance, ihn wenigstens am Leben zu halten. Also
bekam er seine Stinte per Pinzette unter sanfter Gewalt verabreicht. Was mich
ein wenig ärgerte dabei war, daß dieses kleine Biest nicht einmal bereit war,
irgendwann zu Schlucken anzufangen. So mußte ich jeden der Futterfische langsam
und behutsam zum Magen massieren. Dabei stellte ich den nächsten 'Mangel' fest:
er hatte am Hals eine lange Narbe, die quer von einer zur anderen Seite verlief.
War das der Grund dafür, daß er nicht schlucken mochte? Mit dem letzten Stint
verabreichte ich ihn eine Dosis Vitamine, die ihm ganz sicher gut tun würden.
Danach betrachte ich ihn nochmals unter einer hellem Lampe. Ich stellte weitere
ältere Narben um Körper fest. Bei einigen reagierte er bei Berührung mit
einem Zucken, er hatte dort vermutlich noch Schmerzen ... dann setzte ich ihn
zurück in seine Box und hoffte, daß er sein Futter nicht wieder auswürgen
würde.
Die Nattern blieben über Nacht in ihren 'Einzelzellen'. Zwischenzeitlich hatte
ich andere Halter von Strumpfbandnattern und auch den Züchter der mir die Tiere verkauft
hatte, kontaktiert. Niemand konnte sich das komische Verhalten meiner Tiere erklären ... naja ich auch nicht, aber ich saß
mit den Problemen da ... Immerhin verdaute der Parietalis-Mann sein Futter, ein
kleiner Erfolg.
Bezüglich des unnormalen Verhaltens und der Ernährungsprobleme wandte ich mich an meinen Freund Jürgen Chlebowy. Er riet mir, den Tieren bei der nächsten Fütterung Regenwürmer anzubieten, da die Thamnophen oft wenigstens Regenwürmer annehmen, wenn sie ansonsten nichts wollen. Besonders Jungtiere, die mitunter nicht sofort fressen wollen, nehmen gern Regenwürmer an. - Gut, ich versuchte es. Im typischen Aprilwetter, zwischen zwei Schnee- und Hagelschauern bewaffnete ich mit einem Spaten und suchte im Garten nach Beute. Ich fand schnell vier Exemplare, zwei recht stattliche von etwa 15cm und zwei kleine von ungefähr 3-4 cm Länge.
Interessant war hier zu beobachten, daß das Weibchen hier ihren Wassernapf akzeptierte. Das Männchen hingegen arbeitete so lange mit 'Schlängelbewegungen', bis der kleine Wassernapf wieder leer war! Dann legte er sich dort hinein und ruhte.
Das Weibchen nahm von da an keinerlei Nahrung mehr zu sich und eines Tages starb sie. Das kleine Männchen lebte noch eine Weile in seinem kleinen Notbehelf. Er fraß zunächst weiterhin schlecht. Nach Wochen schnappte er sich dann bei einer Fütterung eine Babymaus. Vielleicht war das sein Schlüsselerlebnis, zumindest veränderte er sich von da an vollkommen. Er nahm jetzt immer Futter an und machte allgemein einen ruhigeren Eindruck.