Am 6. Behandlungstag wollte
ich Hannibal erneut besuchen und mit dem Tierarzt sprechen, wie sonst auch.
Die Schwester machte einen erregten Eindruck und rief sofort als ich erschien
den Tierarzt.
Im Behandlungszimmer brachten sie mir Hannibal und
ich konnte nicht glauben was mit dem armen Vieh geschehen war ... er war von
gelbgrauer Farbe, völlig apathisch ... und was verdammt nochmal war mit seiner
Kehlwamme passiert? Sie hatten ihn verbrannt ! Irgendwer hatte den UV-Hochdruck-Strahler auf ihn gerichtet und dann das Tier vergessen, einfach
vergessen ... der Tierarzt zuckte nur mit den Schultern, präsentierte die
Blutwerte des Tieres mit den Worten "Wir müssen umgehend operieren,
sonst stirbt das Tier".............
Völlig schockiert, vor Wut und Schmerz weinend, verlies ich die Praxis ... ließ das Tier vorerst dort ..... Es gelang mir, Kontakt zu Gunther Köhler zu bekommen, einem der ganz großen Experten. Er hörte sich alles geduldig an. Ich faxte ihm die Blutwerte, und er kam schließlich zu dem Entschluss..."Das Tier muss sofort zurück in sein Terrarium, auf gar keinen Fall operieren!" ... Hannibal würde in seinem Zustand die Narkose nicht überleben. Er gab mir noch einige Tipps mit auf den Weg und blieb mit mir in den nächsten Tagen in Kontakt.
Sofort fuhr ich in die Tierklinik und forderte die
umgehende die Herausgabe des Tieres! Darauf kam eine dreiste Forderung
von 680.- DM Behandlungskosten - bevor das Tier herausgegeben werden könne
... Ich bin eher ein ruhiger Mensch, aber was zu viel
ist, ist zu viel !!! ... Unter Androhung rechtlicher Schritte wegen
massiver Tierquälerei, einer Beschwerde beim Verband deutscher Tierärzte mit
Untersagungsmaßnahmen des Titels "Spezialist für Reptilien" sowie
eine Story in der größten Berliner Tageszeitung, erhielt ich ohne
Augenzwinkern Hannibal zurück.
Eine schnell gebastelte Transportbox (ein mit
Laken ausgeschlagener Pappkarton mit Babywärmflasche) erfüllte ihren Zweck.
Gott, was haben sie dir nur angetan?
Das arme Kerlchen war dem Sterben nahe ... zu schwach den Kopf zu heben ...
die Kehlwamme, der Kopf und ein kleiner Teil des rechten Beines verbrannt -
vertrocknet - tot!!
Drei Tage lang versuchte ich ihn immer und immer
wieder zu füttern ... bot ihm alles an.....nichts......am vierten Tag badete
ich ihn vorsichtig und versuchte ihn wenigsten zum Trinken zu bewegen ...
wieder nichts ... ich redete ihm ständig zu ... nichts ...! Abends (er hatte ein
kleines "Planschbecken" als größeren Wassernapf) bot ich ihm wieder etwas Lebendfutter, Salat,
geriebene Möhren ... alles mögliche an und bekam wieder einmal keine
Reaktion ... ich führte ihn zu seinem Wasserplatz und redete nun ein ernstes
Wort mit ihm ... drückte seinen Kopf für etwa 3 Sekunden unters Wasser
... und
das war es! Er begann wie selbstverständlich Wasser zu trinken ... und
nahm mir schließlich auch noch eine winzig kleine Wachsmade ab!!!
In den nächsten
Tagen bekam er immer häufiger Appetit und fing langsam wieder an zu fressen.
Er wurde von Tag zu Tag kräftiger und verlor schließlich nach
drei Wochen die verbrannte Kehlwamme und häutete sich mehrmals. Er
gesundete völlig! Wir hatten zwar anfänglich einige Verständigungsschwierigkeiten
aufgrund der fehlenden Kehlwamme, aber das bekamen wir schnell in den Griff.
Hannibal lebte noch 2 weitere Jahre in meiner Familie, bis ich mich schweren Herzen letztes Jahr von ihm trennen musste.
Viele liebe Grüße aus Berlin
Sandra Jager
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