Es folgt eine Beschreibung der jeweiligen
Klimazonen,
so wie wir sie in den Haltungsbedingungen lesen.
Welche Bedingungen schaffen wir in unseren Terrarien für
unsere Tiere? Das richtet sich selbstverständlich nach den Tieren, die wir pflegen
möchten. Zunächst müssen wir wissen, woher die Tiere stammen. Dann sollte ein Blick auf
den Atlas folgen, wenn man die Regionen nicht im Kopf hat - ist ja keine Schande! Ein
Blick in einen Atlas ist aber auch nützlich, um zu sehen, aus welchem klimatischen Gebiet
das Tier stammt (Klimakarten).
Gerade diese Klimazonen gilt es, im Terrarium nachzugestalten. Es ist unser Bestreben,
immer die möglichst optimalsten Bedingungen für unsere Tiere zu schaffen. Dazu ist es
nötig, daß man sich auch ein wenig mit den ökologischen Zusammenhängen der Regionen
beschäftigt. Wie wichtig diese Kenntnisse sind, wird immer wieder klar, wenn wir uns
'neue' Tiere anschaffen möchten und dazu ein Terrarium herrichten wollen.
Ein großer Teil unserer
Terrarientiere stammt aus den Gebieten des tropischen Regenwaldes. Viele unserer Schlangen
und Echsen stammen aus diesen Regionen. Tropischer Regenwald - was ist das eigentlich? Man liest viel über Zerstörung und sieht im Fernsehen
Bilder der Verwüstung, aber es ist so ein großes Gebiet, macht es denn überhaupt etwas
aus, ob da abgeholzt wird?
'Jeder Regenwald hat ein eigenes Gesicht, das von vielen Faktoren geprägt wird.
Höhenlage, Bodenbe- schaffenheit, Grundwasserstand und Salzgehalt des Wassers bestimmen,
welcher Waldtyp sich entwickelt und welche Tier- und Pflanzenarten dort eine Heimat
finden.' Allein dieser Satz von Linda Gamlin sagt aus, wie vielgestaltig der Regenwald
ist. In flachen Niederungen wächst Tieflandregenwald. er ist am weitesten verbreitet. Die
Temperaturen sind dort gleichbleibend, die Niederschlagsmenge übersteigt 2000mm
jährlich. Die Bäume erreichen Höhen von 40-50m und bilden ein dichtes Kronendach. An
den Stämmen wachsen Lianen und andere Kletterpflanzen. Auf diesen Kletterpflanzen
wiederum gedeihen Moose, Farne und Orchideen. Die Baumriesen bilden nur ein flaches
Wurzelgeflecht aus, dafür bilden sie Stelzwurzeln (wie mächtige Beine). Im
Tieflandregenwald leben viele Arten, die wir auch in den Terrarien halten: Frösche,
Schlangen, Chamäleons, Insekten und viele mehr.
Im Tieflandregenwald kommen auch arme Böden vor (Heidewald). Hier wachsen kleinere Bäume
mit hartem Laub. Solche Regionen findet man beispielsweise auf Borneo und Amazonien. Hier
gedeiht auch die Kannenpflanze. Die Pflanzen schützen sich durch Bitterstoffe in den
Blättern vor Insekten und Befraß durch andere Tiere.
Dort, wo der Regenwald an die Gebirge stößt, spricht man vom Bergregenwald. Hier ändert
sich das Klima: es wird kühler (Nebel bilden sich). Die Bäume erreichen hier Höhen von
bis zu 30m, bilden keine Stelzwurzeln und tragen keine Kletterpflanzen. Hier (bedingt
durch den Nebel) gedeihen die Epiphyten, Orchideen und Bromelien, Moose, Flechten und
Farne.
Gelangt man noch höher (über 1800m), gelangt man in den Nebelwald. Hier wachsen Bambus
und Riesenfarne, da der Boden ständig nass ist. Kleintiere sind hier kaum noch zu finden.
Mangrovenwälder wachsen dort, wo große Flüsse in den Ozean münden. Auch Mangroven
bilden Stelzwurzeln, die sich im Schlamm des Salzwasser verankern. So bieten die
Wurzelgeflechte der vielen Bäume den Jungfischen Schutz.
Im Regenwald leben unzählige Tier- und Pflanzenarten, die noch bis heute unbekannt sind.
Viele von ihnen leben nur in ganz bestimmten kleinen Teilbereichen. Man kann sich
vielleicht ausmalen, wie viel Arten bereits vernichtet werden, wenn der Mensch etwa 1ha der
Landschaft zerstört.
In der Natur sind viele
Arten eng miteinander verbunden (Symbiose und Parasitismus), so natürlich auch im
Regenwald. Symbiose zwischen Grünpflanzen und Pilzen ist uns allen bekannt. Bekannt ist
auch die Abhängigkeit zwischen Samenpflanzen und Tieren. Die Paranuss benötigt zum
Beispiel zum Bestäuben große Insekten, die Prachtbienen. Zum Knacken und Verbreiten der
Samen sind das Aguti und der Pekari da, die es mit ihren starken Kiefern schaffen, die
harte Schale zu öffnen. Weiter benötigt der Paranußbaum einen Pilz, der die Wurzeln mit
Nährstoffen versorgt. - Diese Beispiele ließen sich noch lange fortsetzen.
Die Forscher T.L.Erwin und J.C.Scott rechneten auf 1 ha
Regenwald ca. 200-600 verschiedene Holzgewächse, damit ist jede fünfte Blütenpflanze
der Erde ein Baum aus dem Regenwald. Auf einem Baum leben bis 50 Ameisenarten und 500
Insektenarten, viele Vögel, Reptilien, Amphibien und Säugetiere. Die Forscher fanden auf
19 untersuchten Bäumen etwa 1200 verschiedene Käferarten.
Diese Beschreibung macht deutlich, daß es uns nicht ausreichen kann, wenn wir sagen: mein Tier kommt aus dem Regenwald. Auch im Regenwald herrschen sehr unterschiedliche Bedingungen, die wir kennen müssen, um ein optimales Terrarium gestalten zu können. Es bleibt uns somit nur die Studie der geographischen Karten des Herkunftsgebietes, wenn wir ein annäherndes Klima schaffen wollen (Klimakarten).
| Fortsetzung folgt ... | ||
|
© R.Kohlmeyer 1999 - 2004 |