zurück Epicrates.de

Ein lohnender Besuch - Snakeday Houten


SCHLANGENTAG 2000 und 1999

EUROPEAN SNAKE SOCIETY

Im letzten Jahr waren wir auf dem Snakeday zu Gast und ich kann sagen: es hat sich gelohnt (auch wenn die Fotokamera versehentlich zu Hause blieb). Bereits die Anfahrt hatte etwas Besonderes. Zwar geht es auf den Autobahnen in den Niederlanden etwas langsamer voran als bei uns, dafür sind die Grünstreifen und Böschungen blitzblank sauber! Keine Flaschen, kein Papier, keine McD-Verpackungen. Alles sauber, eine Augenweide, ehrlich! Endlich in Houten eingetroffen (von Utrecht nur Baustellen und keine Beschilderung), fanden wir eher zufällig einen kleinen Hinweis (DIN A4-Blatt an Baum) zum rechten Weg. Als sich Menschen mit Terrarien und Boxen in den Händen und unter den Armen häuften und die Zahl der parkenden Autos immer größer wurde, war die Börse erreicht. 
Ja, ein Auto hatten wir auch, aber wohin damit? Die Plätze in Gebäudenähe waren besetzt. Gegenüber fanden wir ein Mittelding zwischen Schlammgrube und Wiese. Dort standen bereits einige Fahrzeuge. Sollte das ein Parkplatz sein? Schien so, also einschweben. Es hatte vorher geregnet und diese Fläche bot Unmengen von Wasserpfützen. Nach einem Plätzchen  für das Auto Ausschau haltend, platschte unser Wagen dann in ein Pfütze von den Ausmaßen einer Baugrube. Irgendwie war alles verdammt lustig, was würde uns denn noch erwarten? Nun, dieses Loch wurde überwunden und auch ein Stellplatz fand sich schließlich. - Vom Schlammplatz zum Gebäude war es ein Stückchen Weg, der uns durch kalten, heftigen Gegenwind (-sturm) nach zwei Schritten wieder einen zurückschob...

Auf zur Börse. Auf das Schlimmste gefasst, machten wir jedoch sehr gute Erfahrungen:  Im Gegensatz zu anderen bekannten Börsen herrscht in Houten, trotz regen Ansturms eine ruhige und gelassene Stimmung. Bereits an der Kasse wird man mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Die Ausstellungsräume sind hell, freundlich und sauber. Die Gänge zwischen den Verkaufsständen sind großzügig angelegt. Jeder Besucher hat somit die Gelegenheit, die Tiere zu betrachten (ohne Geschiebe und böses Gedränge). Die Aussteller setzen sich aus vielen Privatzüchtern und gewerbl. Händlern zusammen, die Nationalitäten sind bunt gemischt. - Es fiel uns auf, daß die Anbieter hier auch an ihren Ständen/Tischen anwesend waren und sogar freundlich alle Auskünfte erteilten, die gewünscht wurden. Das hatten wir schon anders erlebt...
Sehr schön war, daß die Tiere einzeln in angemessenen Dosen und Boxen untergebracht waren. Viele Nachzuchten wurden in einer Art Setzkasten-System ausgestellt, so daß ein Rütteln und Schütteln seitens der Besucher nicht möglich war. In den Boxen war immer Trinkwasser und auch ein Versteck vorhanden. - Größere Tiere wurden in schön eingerichteten Terrarien präsentiert. Es zeigt sich, daß es also doch geht (warum nicht auf allen Börsen?)!
Zu meiner persönlichen Freude war in Houten die 'Aufbewahrung' der Nager soweit auch in Ordnung. Zumindest was Mäuse und Meerschweinchen angeht. Ratten und Kaninchen leiden immer auf solchen Veranstaltungen, weil sie einfach mit der Wärme und dem Umfeld nicht gut zurecht kommen. Dennoch gab es nur sehr wenig (zumindest was wir sahen) Todesfälle, im Gegensatz zu anderen Börsen, wo die Nager schneller sterben als die Anbieter Nachschub heranholen können.
An Zubehör wurde so ziemlich alles angeboten und zu Preisen, die manches Herz höher schlagen ließen. Hier kann man wirkliche Schnäppchen schlagen! Selbstverständlich sind auch in Houten Anbieter zu finden, die meinen, eine schnelle Mark (Gulden) machen zu können, aber im Großen und Ganzen war
das Preis-/ Leistungsverhältnis in Ordnung.
In einigen Ecken und Nischen der Halle wurde Tee gekocht oder Würstchen aufgewärmt. Kalte Getränke und Kaffee gab es auch an diesen kleinen Ständen. Außerhalb der Halle ist ein Getränkeautomat und noch ein weiterer Tresen für etwas Schnelles zwischendurch. Wem das nicht ausreicht, der kann seinen Appetit im Restaurant stillen. - Nicht unwichtig: sogar die Toiletten waren sauber !

Keine negativen Erfahrungen? Doch! Der Raum für die Giftschlangen war zwar soweit in Ordnung, aber dort ging man sehr leichtfertig mit diesen Tieren und besonders mit den Käufern um. Wir beobachteten, wie Giftschlangen an Jugendliche verkauft wurden und die Unterbringung dieser Tiere war nicht überall vorbildlich. Kobras in ungesicherten Nagerboxen und Klapperschlangen in Plastikdosen - das sprach nicht gerade für Verantwortungsbewusstsein und Sicherheit. - dieser Mißstand soll aber durch neue Bestimmungen ab diesem Jahr geändert sein. Wir werden es uns ansehen...

07.10.2000: Die Autobahn von Utrecht Richtung Houten war nun fertig, aber der direkte Zubringer (nach Beschilderung) nicht, also ein kleines Stück weiter fahren, kein Problem. Die Fotokamera im Gepäck waren wir ja guter Dinge. Houten war gut zu finden. Aber dann, im Ort selbst war in diesem Jahr viel gebaut worden. Wo noch Felder waren, standen inzwischen neue Gebäude. Von Hinweistafeln oder dergl. nichts zu sehen. Aber wir fanden das EXPO-Center dennoch wieder. Der Parkplatz war teilweise befestigt, die Schlammgrube vom letzten Jahr war noch vorhanden, aber mangels Regen nicht so tief ...

Im Gebäude herrschte in diesem Jahr ein sehr reges Treiben, auf gut deutsch: es war rappelvoll! Freundlicher Empfang an der Kasse und hinein ins Getümmel. Trotz der gewohnten breiten Gänge zwischen den Verkaufsreihen gab es hier dann doch ein unermüdlichen Schieben und Drängeln. Wer keinen festen Willen hatte, an einem Tisch auch etwas zu sehen, blieb teilweise sicher auf der Strecke. - Die Anbieter waren wieder sehr gesprächsbereit und zum Teil lief die Verständigung mit Händen und Füßen, aber es ging. Die Mehrzahl der Anbieter waren sicher Niederländer, aber auch viele Engländer und Deutsche waren gekommen. Frankreich war nach unseren Beobachtungen weniger vertreten, dafür waren einige Leute aus Amerika angereist. Einer von ihnen präsentierte Kornnatter-Nachzuchten in allen nur denkbaren Farben. Es war sehr interessant, diese Tiere einmal in natura zu sehen, Fotos täuschen doch nicht ganz unwesentlich. Es gab neben vielen Kornnatter-Nachzuchten sehr viele Boas, von Baby bis senior. Aber auch einige Leckerbissen waren zu sehen: die erste Nachzucht des Angola-Python zum Beispiel und Nachzuchten des Woma. Ja, solche Tiere sieht man nicht jeden Tag!
Das von uns im letzten Jahr so begrüßte 'Setzkasten-System' war nur noch bei wenigen Anbietern zu sehen, schade. Einige hatten aber ihre kleinen Behälter in große Terrarien gestellt, so daß ein Hochheben und Schütteln seitens der Besucher unmöglich war. Eine gute Lösung die Schule machen sollte. - Es fiel auf, daß nur wenige Anbieter für Zubehör anwesend waren. Die Terrarienbauer und -bastler kamen nicht auf ihre Kosten und wer ansonsten etwas an Zubehör suchte, hatte kaum die Chance, es zu finden. 
Die Schlangen selbst waren zum größten Teil in gutem Zustand, soweit man das durch einen Blick sehen kann. Es gab aber auch wieder sehr alte Tiere im Angebot, die per Jungbrunnen als Zuchttiere angepriesen wurden... auch kranke Tiere konnte man leider sehen. Etwas leichtsinnig wurden zwei große Tigerpython gezeigt (im großen Käfig mit Stahlgitter-Deckel). Dieser große Kasten stand mitten im Weg und alle möglichen Leute meinten, dort einmal die Finger 'reinstecken zu müssen. Es war zum einen für die Schlangen ein schrecklicher Zustand, zum anderen zählen auch Kinder zu den Besuchern. Jeder Erwachsene, der gebissen wird, hat selbst schuld, aber Kinder können es nicht besser wissen! 
Kinder, ja auch ein Thema. Als Mutter darf ich das sagen: was sollen die Kinderkarren im Menschengedränge? Nehmt Eure Kleinkinder auf den Arm und tragt sie, wenn ihr keine Möglichkeit habt, den Kindern dieses Menschengeschiebe überhaupt zu ersparen. Kinderkarren sind in meinen Augen eine doppelte Gefahr: durch Rempelei kann das Ding kippen und das Kind fallen und sich verletzen - und das andere: dreht man sich um und geht einen Schritt, stolpert man drüber (ist mir in Hamm mehrfach passiert!).  Eltern, tragt Eure Kinder auf dem Arm und erklärt ihnen dabei, was sie sehen. So bekommen die Kleinen schon früh ein Verständnis für Euer Hobby.
Zurück zu den Tieren. Was mich sehr wütend machte war eine Frau, die von Tisch zu Tisch marschierte, und dort eine Schlange nach der anderen sondierte. Sie trug nur ihre Sondiernadeln in der Hand, kein Gleitmittel, kein Desinfektionsmittel für Hände und Besteck, nichts. Es ist klar, daß sie nicht von selbst an die Tiere ging, das war schon auf Wunsch der Verkäufer! Ich frage mich, was das für Praktiken sind! Immerhin war am frühen Nachmittag eine Tischreihe fast komplett sondiert! Auf allen Dosen waren die Geschlechts-Angaben nachgetragen - egal ob ein adultes Tier darin lag oder ein winzig kleines Nachzuchttier von der Größe einer Stricknadel. Und wer glaubt, das spielte sich hinter den Tischen sitzend und in Ruhe ab, dem kann ich sagen: nein, leider überwiegend vor den Tischen, mitten im Menschentrubel. Schlange in einer Hand nach unten hängend, Sonde in der anderen Hand und los ging es. Die ahnungslosen Käufer werden sich in ein paar Jahren freuen...
Im Giftschlangenraum waren Kornnattern zu sehen. Giftige? Nein, einfach so, vielleicht aus Platzmangel? Keine Ahnung, aber ich will nicht meckern. Immerhin hier fand ich meine neuen Tiere auch. Die ganze Börse hatte ich nach Epicrates-Arten Ausschau gehalten, aber nichts interessantes gefunden. Hier nun, unter den Speikobras und Klapperschlangen standen sie: Meine neuen Epis! Es sollte ein semiadultes Pärchen E. inornatus werden. Und der Züchter war gleich dabei. Wir verständigten uns auf einen Besuch bei ihm, denn er hat mehrere dieser wunderbaren Arten zu Hause in der Zucht. So soll es sein, man findet neben den gewünschten Tieren Kontakt zu Züchtern und damit wieder neuen Erfahrungsaustausch.

Das war der Snakeday 2000. - Auch wenn ich abschließend sagen muß, so faszinierend wie 1999 war er nicht. Wir werden aber ganz sicher im nächsten Jahr wieder dabei sein. 

 

Die Orts- und Wegbeschreibung:
Euretco Expo Center in der niederländischen Ortschaft Houten, 5 km südlich von Utrecht. 

Die genaue Adresse lautet Meidoornkade 24, Houten. 
Der nächste Schlangentag fand am 06. Oktober 2001 statt. Der Eintritt beträgt wohl wieder 10 DM/Person

© R. Kohlmeyer 2000 - 2004

Pfeil