Terraristika 2001


Am 10. März war es wieder soweit. Die Terraristika in Hamm öffnete ab 10 Uhr ihre Tore. 

Wir waren kurz vor 10 Uhr in Hamm, die Zufahrt war frei und ein Parkplatz schnell gefunden. Ein Blick zum Halleneingang ernüchterte uns allerdings. Dort standen die Menschen zu viert oder zu fünft nebeneinander in Reihen von gut 800m Länge, zu beiden Seiten des Eingangs.
Da wir keine große Lust auf so langes Anstehen hatten, warteten wir im Auto, bis es an den Eingängen ruhiger werden würde. 
Gegen 10.30 h kam ein Mann über den Platz aus Richtung Hallen, eine größere Dose in der Hand. Eindeutig hatte er einen  oder mehrere Frösche erstanden. Er hielt den Behälter frei, ohne Schutz vor der Kälte und schlenkerte munter mit dem Arm hin und her. Ich sagte zu meinem Mann: der wird sich freuen, wenn er zu Hause ein totes Tier findet ... tja, eine viertel Stunde später kam dieser Mann aus der anderen Richtung zurück, wieder die Dose in der Hand, nur diesmal sehr unmissverständlich zu erkennen, etwas 'geladen'.  Das Tier war wohl bereits tot ... nun würde er wütend in die Halle zu dem Verkäufer rennen und sich fürchterlich beschweren ... wie der Herr das Tier behandelt hatte, konnte der Verkäufer ja nicht ahnen ... vermutlich würde er das Tier sogar ersetzen ...

Gegen 11 Uhr gingen wir dann auch in Richtung Halle. Die von weitem täuschend kurze Warteschlange war aber noch immer sehr lang. Nun, wir stellten uns an und konnten sehen, das auf dem benachbarten Grundstück eines Supermarktes noch Geschäftszeit war (logisch, es war  Samstagvormittag). Die Einfahrt zu dem Supermarkt wurde von den Menschenmassen gequert. Um sowohl die Markt-Kunden als auch die Börsenbesucher zufrieden zu stellen, hatte der Markt Leute abgestellt, die die Zufahrt frei hielten und die wartenden Menschen immer schubweise über die Zufahrt gehen ließen (wie die Schülerlotsen). Das klappte ohne meckern und murren - einen Dank an dieser Stelle an die Hammer Bürger, die das alles geduldig ertrugen! - Wir selbst waren eine halbe Stunde später an der Kasse. Wenn ich richtig gezählt habe, waren fünf Kassen geöffnet. Die Leute strömten von links und rechts in den Vorraum und nutzten fast ausschließlich die ersten seitlichen Kassen. Die in der Mitte und die hinteren Zahlstellen wurden kaum frequentiert. Würden die Besucher etwas aufmerksamer sein, würde der Einlass ganz sicher schneller gehen. Von Seiten der Organisation zumindest war alles getan worden.
Der nächste positive Eindruck: alle Eltern mit Kleinkindern wurden aufgefordert, Kinderwagen und -karren
abzugeben. Wer sein Kind auf dem Arm tragen wollte, konnte das tun, ansonsten konnten die Kleinen in sichere Obhut gegeben werden. - Das gefiel uns sehr gut! Wie oft hatten wir die Karren schon verflucht, wie oft waren wir schon über kleine Leute gestolpert. Bitte nicht falsch verstehen - ich habe nichts gegen Kinder, im Gegenteil. Ich finde es ist eine Zumutung für die Kleinen, auf solche Veranstaltungen mitgenommen zu werden! Die Eltern sollten sie zu Hause lassen. Wer keinen Babysitter findet, muß eben auf solche Veranstaltungen verzichten - mußten wir auch als unsere Kinder noch klein waren - man kann es überleben ...

Wir waren also nun drin - drin im Gewühle ... wohin zuerst? Die große Halle war dermaßen voll, das konnten wir uns später noch antun. Also beschlossen wir, zunächst nach oben auf die Tribüne zu gehen. Selbst dort waren sehr viele Besucher, aber man konnte die Aussteller doch ganz gut erreichen. Hier trafen wir auch gleich einen unserer Bekannten. Trotz Lärm, für eine kurze Unterhaltung reichte es. Hier oben gab es u.a. eine Reihe von Bartagamen zu sehen. Ein Anbieter hatte Jungtiere, vielleicht ein halbes Jahr alt, angeblich alles Weibchen für 280 DM/Stück. In einem anderen Becken saß ein dickes, altes Tier, daß schon von Weitem als Bock zu erkennen war. An dem Becken war zwar kein Preis vermerkt, aber es soll ein Weib gewesen sein. Wir gingen langsam weiter und hörten hinter uns, wie sich ein Paar darüber unterhielt, wer wohl für so eine Echse 900 DM (!) ausgeben würde ... Kommentar überflüssig, oder? - Weitere Pogona vitticeps (sehr kleine Jungtiere) wurden für 100 DM/Stück angeboten. Ob es ein Händler oder ein Privatanbieter war, kann ich nicht sagen, aber im Prinzip geht das in Ordnung, denn gerade die Bartagamen werden ja leider in Massen gehalten und viele müssen sterben, weil die Halter sich nicht ausreichend informieren ... meiner Meinung nach schreckt ein etwas höherer Preis die Leute doch ein wenig ab (was aber die 900 nicht rechtfertigen soll!).
Der Rundgang war alles in allem zufrieden stellend. Später besuchten wir die große Halle. Auch hier kann man sagen, daß es bei weitem nicht mehr so schlimme Zustände gab wie in den Vorjahren. Natürlich kommt es immer wieder vor, daß Tiere in ihren Behältern geschüttelt werden (meist von Besuchern) und auch so manches Reptil mußte wieder in viel zu kleinen Dosen sitzen. Aber im Vergleich bessern sich die Zustände in der Tat von Börse zu Börse. Nach weiteren Treffen mit Bekannten und netten Gesprächen, machten wir noch einen kompletten Rundgang von Stand zu Stand. Es waren nur sehr wenig Tiere in fragwürdigem Zustand und auch das Angebot allgemein war recht gut.

15.September 2001: die Herstbörse ruft. Aus den Kassenerlebnissen von März schlau geworden (dachten wir), stellten wir uns gleich in der Warteschlange an, als wir Hamm erreichten. Das war gegen 9:40 Uhr. Der weiter oben genannte Supermarkt hatte wieder seine Tore geöffnet, aber es klappte nicht mit einem Arrangement zwischen Marktkunden und Börsenbesuchern. Man kann ja verstehen, daß die Kunden nicht viel Verständnis haben, wenn sie schnell noch etwas für's Wochenende einkaufen wollen. Aber dann gnadenlos in die Besucherschlangen zu fahren ist keine Lösung. Es war einige Male etwas heftig. Gut, daß es zu keinem ernsthaften Unglücksfall kam! Um 10:05 Uhr öffneten die Kassen der Hallen, um wenige Minuten später wieder zu schließen. Warum? Das konnte niemand ergründen. Während der Wartezeit wurde man mit Werbematerial eines Zoohandels 'eingedeckt'. Logisch, daß der größte Teil der Prospekte auf dem Gehweg landete. Es sah ganz toll aus und ich fragte mich, ob dieser Zooladen wohl für die Stadtreinigung aufkommt? Etwa 10:15 Uhr wurden die Kassen wieder geöffnet und es ging kurze Zeit sogar zügig voran. Das war auch gut so, denn der Himmel bezog immer mehr und der nächste Regenschauer meldete sich an. Als wir selbst gute 20m vor dem Einlass waren, wurde erneut geschlossen. Ob denen jeweils das Wechselgeld ausgegangen war? Niemand weiß es ... 

Irgendwann waren wir dann endlich in den Hallen. Es bot sich zunächst das übliche Bild: Menschenmengen quälen sich durch die viel zu engen Gänge. Der erste Eindruck zu den ausgestellten Tieren war positiv, allerdings muß man sagen, daß die Preise zum Teil an Wucher grenzten. Klar, Freie Marktwirtschaft ... aber normal war es teilweise wirklich nicht. Und wer meinte, Zubehör günstig kaufen zu können (und das evtl. auch tat), der hätte in seinem Zoofachhandel daheim für die gleichen Artikel viel Geld sparen können.
Wir trafen wieder viele unserer Bekannten und hatten daher viel Spaß auf dieser Börse. 
Aber: Nicht einmal Einweiser für die Parkplätze werden gestellt. Wer etwas später in Hamm eintraf, hatte viel zu bereisen, um sein Fahrzeug irgendwo abstellen zu können. - Es waren nicht nur die Warteschlangen, die zu späte Öffnung der Kassen, das ewige Schließen der Kassen, das Müll-Verteilen durch überflüssige Prospekte, das neue Fotografierverbot ... es waren die mangelnden Toiletten (ein Besuch dort=20 Minuten Anstehen), die an Frechheit grenzende Unfreundlichkeit des Kioskpersonals (1 Kaffe kostet 2,50 DM, 4 Kaffe kosten dann 12 DM? Bei der Richtigstellung flog das Wechselgeld raketenartig auf den Tresen und auf den Boden vor dem Kiosk - und ein mürrischer Kommentar der Verkäuferin obendrein), nein es war einfach alles zusammen. Ganz toll ist es übrigens auch, wenn man kleiner als 1,90 m ist. Die Mode, Rücksäcke zu tragen, sich damit ungeachtet der Umgebung/Mitmenschen zu bewegen, hat schon was. Ich weiß nicht, wie oft ich so ein Gerät ins Gesicht geschleudert bekam, ich weiß aber, dass es verdammt schmerzhaft ist! Natürlich kann einem so etwas immer und überall passieren, aber gerade wenn so ein Gedränge herrscht (was die Veranstalter ja wissen), wäre ein Verbot solcher Schlagwerkzeuge ganz sicher angebracht, denn nicht nur die rücksichtslosen Menschen zahlen Eintritt, auch die friedlichen ...
In Anbetracht der Frechheiten, die sich rein organisatorisch abspielten, werden wir Hamm nicht mehr besuchen. Im kommenden Jahr wird es eine neue Börse geben. Den derzeitigen Ankündigungen zufolge wird sie die Ärgernisse vor Eintritt der Börse ausräumen und auch ansonsten soll alles besser werden. Die Terraristik Total wird erstmals am 06.04.2002 in Münster/Westfalen stattfinden. Schau'n wer mal ...

 

 

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