Das war sie wieder, die Terraristika Hamm, September 2000. "Wie war's denn?", fragen die, die nicht dort sein konnten oder wollten. Nun, anders als im letzten Jahr denke ich. Nicht schlechter - es gab einige Verbesserungen, aber es war noch vieles so wie wohl schon immer.
Ich persönlich hatte folgende
Eindrücke: im letzten Jahr trafen wir dank Baustellen auf der A2 zu spät
ein. So erlebten wir den
berüchtigten Kassenansturm nicht mit. Dieses mal konnten wir früher in Hamm sein und
standen mitten drin in diesem Personenstau. Allerdings ging es nach der Öffnung
der Kassen recht zügig voran. Immerhin wollten einige Hundert (Tausende?) in
die Hallen - die Wartezeit aber war erträglich. Die Kasse selbst hatte ich in
sehr schlechter Erinnerung (1.Gebot: bitte unfreundlich zu den Besuchern,
2.Gebot: niemals lächeln, 3. Gebot: fragende Besucher ignorieren!). Davon war im September 2000 keine Spur mehr. Zum
einen freuten wir uns, daß fünf (!) Kassen geöffnet waren, zum anderen hatte das
Personal sogar Lächeln parat und freundlich waren sie auch.
Erster Eindruck - sehr gut.
Hinein ins Vergnügen. Ups, da
wären wir ja fast in die ersten Ausstellungsterrarien gefallen. Unmittelbar
hinter dem Eingangsportal befanden sich die ersten Tischreihen. Dort war sonst
Freiraum gewesen. Ein guter Bekannter hatte dort seinen Standplatz zugewiesen
bekommen. Er erklärte uns, daß man sich wohl etwas in der Platzeinteilung
vertan hatte, und diese Tischreihen schnell als Notlösung aufgebaut hatte. Na ja,
sei's drum, der schlechteste Platz war es ja auch nicht. - Ist auch möglich,
daß diese Lösung etwas zur Besänftigung der Besucher beitrug, denn so
ungestüm wie aus unserer Erinnerung, ging es in der Eingangshalle diesmal nicht
zu.
Zweiter Eindruck: gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht
So, nun aber erst mal in die
Haupthalle. Wir wollten dringend zwei Bekannte treffen und diese zuerst suchen,
bevor wir die Stände in Ruhe betrachten wollten. Tja, das war so eine Idee,
ließ sich aber nicht umsetzen. So entschlossen wir uns, systematisch die Reihen
abzugehen und gleich mit dem ersten Rundgang zu verbinden. - Der erste Tisch,
der unser Interesse weckte, war auch gleich ein Reinfall. Es gab dort Axolotl,
wir schauten für unseren Sohn... ja, die Tiere waren perfekt, da gab es nichts
auszusetzen, aber es war kein Besitzer zu sehen. Börse 10 Minuten geöffnet und
schon war der erste Händler nicht am Platz. Seine Tischnachbarn riefen ihn dann
herbei, war aber nichts, denn der hatte Preisvorstellungen, die uns ein
schallendes Lachen entlockten. Er blieb stur, wir auch - ade... Da wir immer noch
nach unseren Bekannten Ausschau hielten, schauten wir ja auch bei jedem Stand
auf die Namensschilder. Zumindest hatten wir es vor. Wieder hatten nicht alle
ihre Schilder montiert ... ausgepreist waren ebenfalls nicht alle Tiere und von
der Geschlechterkennzeichnung konnte man auch nicht überall reden. Dann kam es
wieder: Schüttelbörse! Nein, kein Besucher, ein Händler! Der Kunde meinte,
das Tier wäre wohl tot, die Händlerin schüttelte mit brutaler Gewalt die
Grillendose mit dem kleinen Viech, dass einem ganz anders wurde. Der Kunde bat
sie, dies zu unterlassen, aber die gute Frau nahm gleich die nächsten Dosen und
schüttelte was das Zeug hielt ... Das Namensschild sagte mir etwas ... die Dame
war schon in früheren Jahren in Hamm aus der Halle verwiesen worden - gelernt
hat sie jedenfalls nichts ...
Dritter Eindruck: na ja ...
Der erste Rundgang wurde ergebnislos
abgeschlossen. Wir entschlossen uns, an der Information nach unseren Bekannten
zu fragen. Das war dann wieder so eine Sache. Die Information war nicht besetzt,
statt dessen standen einige Ordnungskräfte dort und unterhielten sich
angestrengt. Sollte man da stören? Lieber nicht, bei Störung hätten die wohl
eher sauer als hilfsbereit reagiert...
Vierter Eindruck: negativ
Zweiter Rundgang: nun mit etwas
kritischerem Blick auf Angebot, Verkäufer und Käufer. Noch immer war der
Andrang an den Tischen groß, aber es war nicht so ein Geschiebe wie im Vorjahr!
Unser Eindruck war, das
sich fast alle Anbieter auf die Fragen der Interessenten einließen. Das war im
letzten Jahr ganz anders gewesen! Die Besucher verhielten sich zum größten
Teil allerdings auch disziplinierter, vielleicht hatten die Aussteller dadurch
mehr Spaß? Da ich zu
den kleineren Menschen zähle, kam es mir sehr gelegen :-) Viele Tiere
wurden wieder in viel zu kleinen Behältern verwahrt und sehr viele Tiere saßen
auf falschem Substrat. Was sind das für Verkäufer, die nicht wissen, daß
Wüstentiere nicht auf feuchtes Repti-Bark gehören??? Einen dieser Leute fragte
ich. Antwort: "Das ist schon so ok, die mögen das!" Im gleichen
Moment sah er mein T-Shirt (Aufdruck www.Agamen.de")
und bekam einen roten Kopf. Er konnte das sicher nicht einsortieren, war auch
gut so :-))
Im letzten Jahr hat es mich rasend gemacht, wie die Nager gehalten wurden. Es
war da auch wärmer und somit in der Halle stickig, aber die Tiere waren in
Maßen in engste Boxen gestopft, die Folge: Ratten und Kaninchen starben
schneller als die Händler Nachschub aus den Autos holen konnten. Dazu kam, dass
die meisten Futtertier-Stände direkt am Hauptgang waren, also noch mehr Stress
für die Tiere - denn immerhin sind auch Futtertiere Tiere ! - Auch das war
dieses mal anders. Die Ratten hatten größere Boxen mit weniger Besatz,
Kaninchen habe ich gar nicht gesehen. Die waren entweder nicht dort oder wir
waren blind? Insgesamt fiel auf, daß die Nager wirklich besser angeboten
wurden!
Fünfter Eindruck: durchwachsen
Dann war es Zeit, die
Internet-Freunde zu treffen. Zu unserem vereinbarten Treffpunkt waren einige
gekommen und es war wieder sehr schön, alte und neue Gesichter zu sehen! Ernst,
Regina, Marcel, Silke, Micha, Nicole, Sina, Mike, Dirk, Horst und Monika, Sinas
Bekannter, Peter und ich (später trafen wir noch Karin und Jörg). Wir
zogen in das Restaurant ein, schoben Tische zusammen und tauschten Erfahrungen
aus. Bis die Bedienung dann erschien, waren die ersten von uns fast zu
Wüstenbewohnern verdorrt, aber es sollte noch ärger kommen. Die Lieferung der
Getränke dauerte ewig ... Wenn man sich viel zu erzählen hat, macht das aber
nicht so viel aus, es sei verziehen. - Ich erlebte hier noch eine Superüberraschung,
die zwar nicht direkt mit der Börse zu tun hat, aber ich will trotzdem kurz
erzählen. Sina schob mir eine kleine Dose zu, gefüllt mit kleinen Kügelchen.
Mir schoß es durch den Kopf! Das gab es nicht! Vor Monaten hatten Sina und ich
uns über ihre schönen großen Gespenstschrecken unterhalten. Sie meinte, sie
würde mir sicher einmal Eier geben können. Eigentlich hatte ich das schon
vergessen. Und da waren sie nun: 272 Eier von Gespenstschrecken! Wahnsinn, ich
habe mich riesig gefreut, nein ich freue mich noch immer ! Hier nochmals an Dich
Sina: ein ganz dickes Dankeschön!!! (Ich werde die Eier in den nächsten Tagen
sorgfältig zur Zeitigung vorbereiten und bin schon sehr gespannt!)
Sechster Eindruck: super !
Nun mußten wir sehen, daß wir die letzten Termine einhielten. Wir verabschiedeten uns und drehten noch zwei Runden durch die Halle. Wir trafen noch einige gute Bekannte, zwei Verabredungen klappten leider nicht. Als Treffpunkt den 'Reptilia'-Stand zu wählen, ist sicher bei vielen Besuchern üblich. Daher lernt man dort viele Leute kennen, aber die richtigen trifft man nicht unbedingt. Für die Zukunft werden wir uns einen anderen Treffpunkt überlegen. - Kurz nach 14 Uhr fuhren wir dann gen Heimat.
Hier noch einige Meinungen von anderen Besuchern (und meine dazu):
"Der Begriff
"Börse" ist ein wenig übertrieben, angebrachter wäre Trödelmarkt
oder Sommerschlussverkauf." Meinung zum Besuch im März 2000 - Dem
Trödelmarkt stimme ich zu, dem Schlussverkauf nicht, denn die Preise waren
größtenteils (mit bis zu 200% über Ladenpreis) der absolute Wucher!
"Den Begriff Tierschutzgesetz dürften wohl nur die
Hälfte aller Anbieter
kennen. Ich glaube auch nicht das sich das diesmal gebessert hat oder sich
jemals bessern wird." - Da ist viel dran, leider
"Ordentliche Gespräche zwischen Käufer und Verkäufen, haben bei dem Andrang
auf der Börse kaum eine Chance. Die diversen "Fehlkäufe" wird man
bald wieder in allen Foren zu Gesicht bekommen." - Gespräche waren
diesmal erstaunlicherweise möglich. Wie der Inhalt war, möchte ich nicht beurteilen. Die
Hilferufe in den Foren laufen schon auf Hochtouren ...
"Ebenso hatte ich im März den Eindruck das der überwiegende Teil professionelle
Verkäufer waren, oder auch geschickte Zwischenhändler (billig einkaufen,
teurer Verkaufen)." und
"Zu den angebotenen Bartis - naja man bekam sie diesmal von 50 DM bis 500DM -
aber ich finde das die angebotenen "Jungtiere" noch viel zu jung zum
verkauf waren, hab ja welche von 07/2000 gesehen, welche ich in dem Alter nie
weggeben würde." und "Ich
war auch dort und habe gedacht, wenn ich schon über Kleinanzeigen kein adultes
Uromastyx o. ocellata Mädel bekomme, dann mit Sicherheit auf der Börse. Ich
habe doch auch tatsächlich welche gefunden. Ein Pärchen für DM 800,- (einzeln
für DM 400,- ausgezeichnet)! DNZ und ganz jung. Ehrlich gesagt war ich
schockiert über diesen Preis. Wo ich doch für meine nicht mal die Hälfte
ausgegeben habe ! Nun denn, ich habe die Tiere dort gelassen, wo ich sie gesehen
habe." - Diese Meinungen
spiegeln unsere Eindrücke gut wieder (s.o.)
"Einzig der Verkauf an Zubehör oder Deko hat mir gefallen, weil man dort halt eine größere Palette an Auswahl zur Verfügung hat." - Das sehe ich ganz anders. Wir halten das Angebot für normal und die Preise für Zubehör überwiegend für viel zu hoch (weit über Ladenpreis).
"...also ich war nun das dritte mal in Hamm und bin jedes mal immer mehr enttäuscht. Die Bedingungen für die Tiere hat sich zwar seit dem ersten Besuch vor 2 Jahren verbessert aber das ganze drum herum und die Menschenmassen können einem schon Angst einjagen. Wenn da mal eine Panik ausbricht, interessiert sich sicher keiner mehr für seine Tiere." - Da ist sicher was dran! Allerdings sind da viele Ausgänge und Notausgänge. Möchte aber auch nicht erleben, was passiert, wenn ...
"Wir haben mehrfach erlebt, daß von Interessenten Fragen gestellt wurden wie z. B.: "Wie groß werden die Tiere?", "Was fressen die denn?" und "Was benötigen die denn für ein Terrarium?". Ganz ehrlich, da wird einem schlecht." - Ja, aber die Leute findet man überall. Solange sie fragen, um sich zu informieren, ist das ja auch in Ordnung. Dazu ist eine solche Veranstaltung ja da, sobald diese Leute dann aber kaufen ...
"Also mein Eindruck war dieses Jahr relativ zwiespältig. Einerseits war es nicht ganz so brechend voll wie gewohnt, andererseits hat sich das Angebot der Börse doch ziemlich verändert. Für meinen Geschmack wurden viel zu viele Wildfänge angeboten, ich habe Schlangen mit Maulfäule gesehen, stapelweise Wildfänge..." und "... die Anbieter waren gesprächsbereiter, die Nager wurden auffallend besser untergebracht und noch so ein paar Kleinigkeiten ..." und "Wir möchten an dieser Stelle nicht verschweigen, dass wir im März in Hamm unser Vitticeps-Weibchen erstanden haben und dieses nicht bereuen. Allerdings war der Verkäufer einer der wenigen, für den die Tiere nicht nur Ware sondern lebendige Wesen sind. Es gibt also auch Ausnahmen."
"Das kaum mehr mögliche wurde auch diesmal wieder geschafft: Es wurde größer bunter aber gottseidank nicht voller. Zu den 3 Hallen wurde diesmal noch ein großes Zelt hinzugestellt und dieses war auch zum Brechen voll mit Ausstellern aus ganz Europa. Erstaunlich für mich war, daß mehrere Aussteller aus Spanien anwesend waren denn von Madrid und Barcelona ist es ja nicht gerade einmal ums Eck bis nach Hamm."
" ...Was ich von der Geschichte halte, daß Besucher angebotene, junge Chondros eigenmächtig gepoppt haben, um das Geschlecht zu bestimmen, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt." - Au weia
"Der Sinn und Zweck solcher "Börsen" bleibt mir vollkommen schleierhaft. Im Gegensatz zu "früher" hat man heute die Möglichkeiten gezielt nach gewünschten Tieren zu suchen, oder auch anzubieten. Sei es übers Internet, durch diverse Zeitschriften, oder halt auch beim Reptilienfachhändler."
"Ein kleines Wunder ist geschehen: Es gab einen Stand der DGHT(!!) auf der Terraristika. Nach dem etwas zweischneidigen Auftritt der DGHT auf der zirkusähnlichen Messeveranstaltung eines Zoobedarfversenders, scheint es nach breiter Kritik am Verhalten der DGHT jetzt zum Umdenken der DGHT bezüglich der Terraristika gekommen zu sein."
"Abschließend kann ich sagen, die Terraristika hat sich eindeutig verbessert,
auch wenn es noch viele Mängel gibt. Ich bin jetzt schon gespannt, wie sie sich
weiter entwickelt." - Hoffen wir das Beste!
Wer Lust hat, seine Eindrücke mitzuteilen, ich freue mich über jede Meinung! Schickt einfach eine Mail.