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Terraristika 1999 / 2000


Das war sie wieder, die Terraristika Hamm, September 2000. "Wie war's denn?", fragen die, die nicht dort sein konnten oder wollten. Nun, anders als im letzten Jahr denke ich. Nicht schlechter - es gab einige Verbesserungen, aber es war noch vieles so wie wohl schon immer.

Ich persönlich hatte folgende Eindrücke: im letzten Jahr trafen wir dank Baustellen auf der A2 zu spät ein. So erlebten wir den berüchtigten Kassenansturm nicht mit. Dieses mal konnten wir früher in Hamm sein und standen mitten drin in diesem Personenstau. Allerdings ging es nach der Öffnung der Kassen recht zügig voran. Immerhin wollten einige Hundert (Tausende?) in die Hallen - die Wartezeit aber war erträglich. Die Kasse selbst hatte ich in sehr schlechter Erinnerung (1.Gebot: bitte unfreundlich zu den Besuchern, 2.Gebot: niemals lächeln, 3. Gebot: fragende Besucher ignorieren!). Davon war im September 2000 keine Spur mehr. Zum einen freuten wir uns, daß fünf (!) Kassen geöffnet waren, zum anderen hatte das Personal sogar Lächeln parat und freundlich waren sie auch.
Erster Eindruck - sehr gut.

Hinein ins Vergnügen. Ups, da wären wir ja fast in die ersten Ausstellungsterrarien gefallen. Unmittelbar hinter dem Eingangsportal befanden sich die ersten Tischreihen. Dort war sonst Freiraum gewesen. Ein guter Bekannter hatte dort seinen Standplatz zugewiesen bekommen. Er erklärte uns, daß man sich wohl etwas in der Platzeinteilung vertan hatte, und diese Tischreihen schnell als Notlösung aufgebaut hatte. Na ja, sei's drum, der schlechteste Platz war es ja auch nicht. - Ist auch möglich, daß diese Lösung etwas zur Besänftigung der Besucher beitrug, denn so ungestüm wie aus unserer Erinnerung, ging es in der Eingangshalle diesmal nicht zu.
Zweiter Eindruck: gewöhnungsbedürftig, aber nicht schlecht

So, nun aber erst mal in die Haupthalle. Wir wollten dringend zwei Bekannte treffen und diese zuerst suchen, bevor wir die Stände in Ruhe betrachten wollten. Tja, das war so eine Idee, ließ sich aber nicht umsetzen. So entschlossen wir uns, systematisch die Reihen abzugehen und gleich mit dem ersten Rundgang zu verbinden. - Der erste Tisch, der unser Interesse weckte, war auch gleich ein Reinfall. Es gab dort Axolotl, wir schauten für unseren Sohn... ja, die Tiere waren perfekt, da gab es nichts auszusetzen, aber es war kein Besitzer zu sehen. Börse 10 Minuten geöffnet und schon war der erste Händler nicht am Platz. Seine Tischnachbarn riefen ihn dann herbei, war aber nichts, denn der hatte Preisvorstellungen, die uns ein schallendes Lachen entlockten. Er blieb stur, wir auch - ade... Da wir immer noch nach unseren Bekannten Ausschau hielten, schauten wir ja auch bei jedem Stand auf die Namensschilder. Zumindest hatten wir es vor. Wieder hatten nicht alle ihre Schilder montiert ... ausgepreist waren ebenfalls nicht alle Tiere und von der Geschlechterkennzeichnung konnte man auch nicht überall reden. Dann kam es wieder: Schüttelbörse! Nein, kein Besucher, ein Händler! Der Kunde meinte, das Tier wäre wohl tot, die Händlerin schüttelte mit brutaler Gewalt die Grillendose mit dem kleinen Viech, dass einem ganz anders wurde. Der Kunde bat sie, dies zu unterlassen, aber die gute Frau nahm gleich die nächsten Dosen und schüttelte was das Zeug hielt ... Das Namensschild sagte mir etwas ... die Dame war schon in früheren Jahren in Hamm aus der Halle verwiesen worden - gelernt hat sie jedenfalls nichts ...
Dritter Eindruck: na ja ...

Der erste Rundgang wurde ergebnislos abgeschlossen. Wir entschlossen uns, an der Information nach unseren Bekannten zu fragen. Das war dann wieder so eine Sache. Die Information war nicht besetzt, statt dessen standen einige Ordnungskräfte dort und unterhielten sich angestrengt. Sollte man da stören? Lieber nicht, bei Störung hätten die wohl eher sauer als hilfsbereit reagiert...
Vierter Eindruck: negativ

Zweiter Rundgang: nun mit etwas kritischerem Blick auf Angebot, Verkäufer und Käufer. Noch immer war der Andrang an den Tischen groß, aber es war nicht so ein Geschiebe wie im Vorjahr! Unser Eindruck war, das sich fast alle Anbieter auf die Fragen der Interessenten einließen. Das war im letzten Jahr ganz anders gewesen! Die Besucher verhielten sich zum größten Teil allerdings auch disziplinierter, vielleicht hatten die Aussteller dadurch mehr Spaß?  Da ich zu den kleineren Menschen zähle, kam es mir sehr gelegen :-)  Viele Tiere wurden wieder in viel zu kleinen Behältern verwahrt und sehr viele Tiere saßen auf falschem Substrat. Was sind das für Verkäufer, die nicht wissen, daß Wüstentiere nicht auf feuchtes Repti-Bark gehören??? Einen dieser Leute fragte ich. Antwort: "Das ist schon so ok, die mögen das!" Im gleichen Moment sah er mein T-Shirt (Aufdruck www.Agamen.de") und bekam einen roten Kopf. Er konnte das sicher nicht einsortieren, war auch gut so :-))
Im letzten Jahr hat es mich rasend gemacht, wie die Nager gehalten wurden. Es war da auch wärmer und somit in der Halle stickig, aber die Tiere waren in Maßen in engste Boxen gestopft, die Folge: Ratten und Kaninchen starben schneller als die Händler Nachschub aus den Autos holen konnten. Dazu kam, dass die meisten Futtertier-Stände direkt am Hauptgang waren, also noch mehr Stress für die Tiere - denn immerhin sind auch Futtertiere Tiere ! - Auch das war dieses mal anders. Die Ratten hatten größere Boxen mit weniger Besatz, Kaninchen habe ich gar nicht gesehen. Die waren entweder nicht dort oder wir waren blind? Insgesamt fiel auf, daß die Nager wirklich besser angeboten wurden!
Fünfter Eindruck: durchwachsen 

Dann war es Zeit, die Internet-Freunde zu treffen. Zu unserem vereinbarten Treffpunkt waren einige gekommen und es war wieder sehr schön, alte und neue Gesichter zu sehen! Ernst, Regina, Marcel, Silke, Micha, Nicole, Sina, Mike, Dirk, Horst und Monika, Sinas Bekannter, Peter und ich (später trafen wir noch Karin und Jörg). Wir zogen in das Restaurant ein, schoben Tische zusammen und tauschten Erfahrungen aus. Bis die Bedienung dann erschien, waren die ersten von uns fast zu Wüstenbewohnern verdorrt, aber es sollte noch ärger kommen. Die Lieferung der Getränke dauerte ewig ... Wenn man sich viel zu erzählen hat, macht das aber nicht so viel aus, es sei verziehen. - Ich erlebte hier noch eine Superüberraschung, die zwar nicht direkt mit der Börse zu tun hat, aber ich will trotzdem kurz erzählen. Sina schob mir eine kleine Dose zu, gefüllt mit kleinen Kügelchen. Mir schoß es durch den Kopf! Das gab es nicht! Vor Monaten hatten Sina und ich uns über ihre schönen großen Gespenstschrecken unterhalten. Sie meinte, sie würde mir sicher einmal Eier geben können. Eigentlich hatte ich das schon vergessen. Und da waren sie nun: 272 Eier von Gespenstschrecken! Wahnsinn, ich habe mich riesig gefreut, nein ich freue mich noch immer ! Hier nochmals an Dich Sina: ein ganz dickes Dankeschön!!! (Ich werde die Eier in den nächsten Tagen sorgfältig zur Zeitigung vorbereiten und bin schon sehr gespannt!)
Sechster Eindruck: super !

Nun mußten wir sehen, daß wir die letzten Termine einhielten. Wir verabschiedeten uns und drehten noch zwei Runden durch die Halle. Wir trafen noch einige gute Bekannte, zwei Verabredungen klappten leider nicht. Als Treffpunkt den 'Reptilia'-Stand zu wählen, ist sicher bei vielen Besuchern üblich. Daher lernt man dort viele Leute kennen, aber die richtigen trifft man nicht unbedingt. Für die Zukunft werden wir uns einen anderen Treffpunkt überlegen. - Kurz nach 14 Uhr fuhren wir dann gen Heimat.


Hier noch einige Meinungen von anderen Besuchern (und meine dazu):

"Der Begriff "Börse" ist ein wenig übertrieben, angebrachter wäre Trödelmarkt oder Sommerschlussverkauf." Meinung zum Besuch im März 2000 - Dem Trödelmarkt stimme ich zu, dem Schlussverkauf nicht, denn die Preise waren größtenteils (mit bis zu 200% über Ladenpreis) der absolute Wucher!

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Den Begriff Tierschutzgesetz dürften wohl nur die Hälfte aller Anbieter kennen. Ich glaube auch nicht das sich das diesmal gebessert hat oder sich jemals bessern wird." - Da ist viel dran, leider

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Ordentliche Gespräche zwischen Käufer und Verkäufen, haben bei dem Andrang auf der Börse kaum eine Chance. Die diversen "Fehlkäufe" wird man bald wieder in allen Foren zu Gesicht bekommen." - Gespräche waren diesmal erstaunlicherweise möglich. Wie der Inhalt war, möchte ich nicht beurteilen. Die Hilferufe in den Foren laufen schon auf Hochtouren ...

"
Ebenso hatte ich im März den Eindruck das der überwiegende Teil professionelle Verkäufer waren, oder auch geschickte Zwischenhändler (billig einkaufen, teurer Verkaufen)." und "Zu den angebotenen Bartis - naja man bekam sie diesmal von 50 DM bis 500DM - aber ich finde das die angebotenen "Jungtiere" noch viel zu jung zum verkauf waren, hab ja welche von 07/2000 gesehen, welche ich in dem Alter nie weggeben würde." und "Ich war auch dort und habe gedacht, wenn ich schon über Kleinanzeigen kein adultes Uromastyx o. ocellata Mädel bekomme, dann mit Sicherheit auf der Börse. Ich habe doch auch tatsächlich welche gefunden. Ein Pärchen für DM 800,- (einzeln für DM 400,- ausgezeichnet)! DNZ und ganz jung. Ehrlich gesagt war ich schockiert über diesen Preis. Wo ich doch für meine nicht mal die Hälfte ausgegeben habe ! Nun denn, ich habe die Tiere dort gelassen, wo ich sie gesehen habe." - Diese Meinungen spiegeln unsere Eindrücke gut wieder (s.o.)

"Einzig der Verkauf an Zubehör oder Deko hat mir gefallen, weil man dort halt eine größere Palette an Auswahl zur Verfügung hat." - Das sehe ich ganz anders. Wir halten das Angebot für normal und die Preise für Zubehör überwiegend für viel zu hoch (weit über Ladenpreis).

"...also ich war nun das dritte mal in Hamm und bin jedes mal immer mehr enttäuscht. Die Bedingungen für die Tiere hat sich zwar seit dem ersten Besuch vor 2 Jahren verbessert aber das ganze drum herum und die Menschenmassen können einem schon Angst einjagen. Wenn da mal eine Panik ausbricht, interessiert sich sicher keiner mehr für seine Tiere." - Da ist sicher was dran! Allerdings sind da viele Ausgänge und Notausgänge. Möchte aber auch nicht erleben, was passiert, wenn ...

"Wir haben mehrfach erlebt, daß von Interessenten Fragen gestellt wurden wie z. B.: "Wie groß werden die Tiere?", "Was fressen die denn?" und "Was benötigen die denn für ein Terrarium?". Ganz ehrlich, da wird einem schlecht." - Ja, aber die Leute findet man überall. Solange sie fragen, um sich zu informieren, ist das ja auch in Ordnung. Dazu ist eine solche Veranstaltung ja da, sobald diese Leute dann aber kaufen ...

"Also mein Eindruck war dieses Jahr relativ zwiespältig. Einerseits war es nicht ganz so brechend voll wie gewohnt, andererseits hat sich das Angebot der Börse doch ziemlich verändert. Für meinen Geschmack wurden viel zu viele Wildfänge angeboten, ich habe Schlangen mit Maulfäule gesehen, stapelweise Wildfänge..." und "... die Anbieter waren gesprächsbereiter, die Nager wurden auffallend besser untergebracht und noch so ein paar Kleinigkeiten ..." und "Wir möchten an dieser Stelle nicht verschweigen, dass wir im März in Hamm unser Vitticeps-Weibchen erstanden haben und dieses nicht bereuen. Allerdings war der Verkäufer einer der wenigen, für den die Tiere nicht nur Ware sondern lebendige Wesen sind. Es gibt also auch Ausnahmen."

"Das kaum mehr mögliche wurde auch diesmal wieder geschafft: Es wurde größer bunter aber gottseidank nicht voller. Zu den 3 Hallen wurde diesmal noch ein großes Zelt hinzugestellt und dieses war auch zum Brechen voll mit Ausstellern aus ganz Europa. Erstaunlich für mich war, daß mehrere Aussteller aus Spanien anwesend waren denn von Madrid und Barcelona ist es ja nicht gerade einmal ums Eck bis nach Hamm.

" ...Was ich von der Geschichte halte, daß Besucher angebotene, junge Chondros eigenmächtig gepoppt haben, um das Geschlecht zu bestimmen, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt." - Au weia

"Der Sinn und Zweck solcher "Börsen" bleibt mir vollkommen schleierhaft. Im Gegensatz zu "früher" hat man heute die Möglichkeiten gezielt nach gewünschten Tieren zu suchen, oder auch anzubieten. Sei es übers Internet, durch diverse Zeitschriften, oder halt auch beim Reptilienfachhändler."

"Ein kleines Wunder ist geschehen: Es gab einen Stand der DGHT(!!) auf der Terraristika. Nach dem etwas zweischneidigen Auftritt der DGHT auf der zirkusähnlichen Messeveranstaltung eines Zoobedarfversenders, scheint es nach breiter Kritik am Verhalten der DGHT jetzt zum Umdenken der DGHT bezüglich der Terraristika gekommen zu sein."

"Abschließend kann ich sagen, die Terraristika hat sich eindeutig verbessert, auch wenn es noch viele Mängel gibt. Ich bin jetzt schon gespannt, wie sie sich weiter entwickelt." - Hoffen wir das Beste!

Wer Lust hat, seine Eindrücke mitzuteilen, ich freue mich über jede Meinung! Schickt einfach eine Mail.

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© R. Kohlmeyer 09/2000

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