Das Prinzip der Zucht von
Farbratten ist gleich
- bei Liebhabern und Futtertierzüchtern
Kurz zur Biologie:
Ratten sind nachtaktive Nagetiere, die in Sippen leben. Sie sind auf der
gesamten Weltkugel zu Hause, wo sie alle Lebensräume besiedelt haben.
Farbratten sind ca. 45-48 cm lang, incl. Schwanz und wiegen etwa 400-700g, je
nach Rasse und Geschlecht. Geschlechtsreif sind sie zwar bereits mit etwa 5-9
Wochen, aber man sollte sie erst mit frühestens drei Monaten verpaaren. Die
Trächtigkeit dauert 21 Tage, nicht selten länger (bis zu 30 Tagen). Die Zahl
der Jungen beträgt durchschnittlich elf, aber 1-18 kommen vor. Zur
Zucht-Bedarfsrechnung geht man im Normalfall von 10 Jungen pro Wurf aus.
Die kleinen Ratten bilden nach drei Tagen das erste leichte Haarkleid, zu
erkennen an der 'Farbe', die die Babys annehmen. Die feinen
Haarspitzen
durchstoßen die Haut, so daß die rosa Färbung verschwindet. Das Fell ist mit
dem 10. Lebenstag komplett. Etwa mit 2 Wochen öffnen sich die bis dahin noch
fest verschlossenen Ohren und Augen. Sobald die Rattenkinder sehen können,
versuchen sie, das Nest zu verlassen. Die meisten Mütter wissen dies energisch
zu verhindern. Allerdings mit 3 Wochen hält sie nichts mehr im Nest. Sie gehen
auf Wanderschaft, um Futter und Wasser zu suchen. Neben der Muttermilch nehmen
sie jetzt auch mehr und mehr feste Nahrung zu sich.
Mit dem 28. Lebenstag sind die kleinen Ratten selbständig und könnten den
Schutz der Mutter verlassen. Wir können sie nun absetzen (von den Elterntieren
trennen). Es ist aber für die Entwicklung unbedingt besser, sie noch für
weitere zwei Wochen bei den Elterntieren zu belassen. Unsere Heimratte wird etwa
3 Jahre alt. Zur Zucht soll man die Tiere aber mit 12-15 Monaten nicht mehr
einsetzen.
Die Tiere sollen gesund und kräftig sein. Man muß bemüht sein, inzuchtfreie Tiere zu erwerben. Am sichersten ist es, die Zuchttiere von verschieden Züchtern zu beschaffen. Die fremden Tiere werden zur gleichen Zeit in den vorbereiteten Käfig gesetzt und beobachtet. Normalerweise gibt es keine Probleme. Sollte es aber der Fall sein, daß sie sich nicht vertragen, nicht gleich aufgeben. Erst mal für einige Stunden beobachten. Kehrt keine Ruhe ein, muß man das streitsüchtige Tier wieder entfernen.
Zucht: im
Heimkäfig halten wir ein Männchen mit
ein oder zwei Weibchen. Es wird sich eines Tages Nachwuchs einstellen. Man
bemerkt es an der zunehmenden Leibesfülle der Weibchen. Während der
Trächtigkeit ist nichts besonderes zu beachten. Man kann allerdings etwas
vermehrt Papierschnitzel anbieten. Die werdenden Mamas nutzen es gern zum
Nestbau.
Der Bock kann während der ganzen Zeit im Käfig verbleiben. Wünscht man
allerdings keinen weiteren Nachwuchs, ist eine Trennung vor der Geburt
angebracht. Vorher deshalb, weil die Tiere sich dann besser umstellen können.
Das heißt, der Bock wird umgesetzt und die Weibchen können weiterhin ihrem
Nestbau nachgehen. Sind die Jungen bereits geboren, bringt die Umsetzerei Unruhe
mit sich, die dazu führen kann, daß die Weibchen irritiert sind und den
Nachwuchs auffressen. Sind die Jungen dann geboren, braucht die Mutter Ruhe. Die
Zeit des Säugens ist für die Nager recht anstrengend. Man kann nun oft
beobachten, daß das Weibchen erschöpft an einem einsamen Plätzchen liegt und
schläft. Die Pausen sind allerdings jeweils kurz, denn sie kümmern sich
ständig um die Kinder. Ratten sind sehr gute Mütter.
Die Jungen bleiben vom Tage der Geburt an
mindestens 28 Tage bei der Mutter. Sie sind zwar vorher schon sehr
selbständig und könnten abgesetzt werden, aber bei Ratten folgt eine Phase des
Lernens. Hier spielen auch die Väter eine große Rolle. Man kann immer wieder
beobachten, wie sich in dieser Zeit gerade die Männchen um die Kleinen kümmern
und ihnen ihr kleines Stückchen Welt zeigen. Sie sind auch gut zum Toben und
als Klettergeräte für die Jungen. Geduldig lassen es sich die Böcke gefallen.
Die Mütter sind meist 'glücklich' darüber, daß die anstrengende Zeit
vorüber ist.
Die jungen Ratten werden, nach Geschlechtern getrennt, zusammen aufgezogen. Sie
erhalten das gleiche Futter wie die großen Tiere.
Für
die Zucht von Futtertieren
gilt im Prinzip das Gleiche. Wir verwenden
allerdings eventuell größere Käfige oder Boxen, um andere Zusammensetzungen
zu ermöglichen. So kommen auf ein Männchen zwei bis vier Weibchen oder man
setzt die Männchen für mehrere Zuchtboxen ein. Das spart Männchen und
ermöglicht eine gute Kontrolle. Wie geht das? Ganz einfach: wir haben zum
Beispiel drei Boxen mit jeweils drei Weibchen. Wir besitzen einen guten Bock.
Der wird nun für zwei Wochen in die erste Box gesetzt. Während dieser Zeit ist
die Wahrscheinlichkeit hoch, daß die Weibchen paarungswillig sind und die
Paarung stattfindet. Dann kommt der Bock in die zweite Box. Hier verbleibt er
wiederum zwei Wochen. Nun werden vermutlich bereits in der ersten Box Junge
geboren sein. Der Bock wird dann in die dritte Box umgesetzt, für wieder zwei
Wochen. Nach dieser Zeit kommt er wieder in die erste Box, aus der die ersten
Jungtiere bereits abgesetzt sind. Die Weibchen hatten eine Ruhephase und der
Erfolg der Zucht ist gut.
Läßt man die Böcke bei den Weibern ist dies aber auch kein Problem. Dann muß
in jede Zuchtbox ein Männchen gesetzt werden.
Probleme:
die gibt es, wenn sich die Weibchen untereinander nicht verstehen. Das kommt
zwar selten vor weil Ratten recht gesellige Tiere sind, aber ausschließen kann
man so etwas nie. Die Weibchen jagen sich gegenseitig und das dominante Tier
beißt das schwächere, was bis zum Tode führen kann.
Ich handhabe das so, daß ich die Weibchen möglichst früh zusammensetze und
beobachte, wie sie sich vertragen. Sind Streitende dabei, wird die
Zusammensetzung geändert. - Probleme zwischen Böcken und Weibchen konnte ich
bisher auch schon feststellen. Die gehen dann aber nicht soweit, daß gebissen
wird. Sollte dabei das schwächere Tier der Bock sein, wird dieser nicht zur
Zucht eingesetzt. Es hilft einem nicht, einen schwachen Bock einzusetzen.
Die Weibchen fressen die Jungen:
auch das kommt vor. Grund kann sein, daß das Weibchen noch zu jung für die
Zucht ist. Das Weibchen ist dann überfordert und tötet die Jungen.
Möglich ist auch, daß die Tiere gestört wurden. Wie bereits erwähnt,
benötigen sie Ruhe zur Aufzucht der Kleinen. Unruhe bedeutet für die Tiere
Gefahr. Der Urinstinkt veranlasst die Tiere, die Jungen zu fressen, damit
Fressfeinde nicht durch deren Geruch angelockt werden.
Die Weibchen streiten sich um die Jungen. Ständig schleppen sie die Kleinen hin und her. In diesem Fall sollte man nicht eingreifen, auch wenn es schwer fällt. Die Mäuse in Ruhe lassen, ist das beste. Sie werden sich irgendwann einigen und es gibt Ruhe.
Es kommt kein Nachwuchs mehr. Sind die Tiere evtl. zu alt? Wenn nicht, kann man die Böcke austauschen. Das führt oft zum Erfolg. Ändert sich nichts, ist es ratsam, die Weibchen auszutauschen.