Das Prinzip der Zucht von
Farbmäusen ist gleich
- bei Liebhabern und Futtertierzüchtern
Kurz zur Biologie: Farbmäuse
sind nachtaktives Nagetiere, die in Sippen leben. Sie sind auf der gesamten
Weltkugel zu Hause, wo sie alle Lebensräume besiedelt haben.
Farbmäuse sind ca. 15 cm lang, incl. Schwanz und wiegen etwa 40-50g im Alter
von sechs Monaten, wenn sie ausgewachsen sind. Geschlechtsreif sind sie zwar
bereits mit etwa zwei Monaten, aber man sollte sie erst mit frühestens drei
Monaten verpaaren. Die Trächtigkeit dauert ziemlich genau 21 Tage, in seltenen
Fällen zwei bis drei Tage länger oder kürzer.
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Als erstes benötigt man ein männliches und ein oder mehrere weibliche Tiere. Die Geschlechtsunterschiede der Tiere sieht man auf nebenstehender Skizze: links das Männchen, rechts das Weibchen. Gut zu erkennen ist, daß die Anal- und die Genitalöffnungen der Männchen weiter auseinander liegen als beim Weibchen. Bei erwachsenen Tieren ist die Geschlechtsbestimmung einfacher, da die Männchen dann gut sichtbare Hoden ausbilden. Allerdings sind sie in der Lage, in Streß-Situationen die Hoden einzuziehen, so daß man genau beobachten und jede Aufregung im Käfig vermeiden sollte. |
Nach der erfolgreichen Paarung
dauert die Trächtigkeit der Farbmaus 21Tage. Die Zahl der Jungen liegt
bei durchschnittlich elf, aber 1-20 kommen vor. Das Geburtsgewicht
beträgt 1g. Die Jungen kommen ohne Fell, mit geschlossenen Augen und nicht voll
entwickelten, geschlossenen Ohren auf die Welt.
Die kleinen Mäuse bilden nach drei Tagen das erste leichte Haarkleid, zu
erkennen an der 'Farbe', die die Babys annehmen. Die feinen Haarspitzen
durchstoßen die Haut, so daß die rosa Färbung verschwindet. Das Fell ist mit
dem 10. Lebenstag komplett. Etwa mit 2 Wochen öffnen sich die bis dahin noch
fest verschlossenen Ohren und Augen. Sobald die Mäusekinder sehen können,
hält sie nicht mehr viel im Nest. Sie gehen auf Wanderschaft, um Futter und
Wasser zu suchen. Neben der Muttermilch nehmen sie jetzt auch mehr und mehr
feste Nahrung zu sich. Mit dem 21. Lebenstag sind die kleinen Mäuse
selbständig und können den Schutz der Mutter verlassen. Wir können sie nun
absetzen (von den Elterntieren trennen). Unsere Farb-/Hausmaus wird etwa 2.5 bis
3 Jahre alt. Zur Zucht soll man die Tiere aber mit 12-18 Monaten nicht mehr
einsetzen.
Zur Zucht-Bedarfsrechnung geht man im Normalfall von 9-10 Jungen pro Wurf aus.
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Die Tiere sollen gesund und kräftig sein. Man muß bemüht sein, inzuchtfreie Tiere zu erwerben. Am sichersten ist es, die Zuchttiere von verschieden Züchtern zu beschaffen. Die fremden Tiere werden zur gleichen Zeit in den vorbereiteten Käfig gesetzt und beobachtet. Normalerweise gibt es keine Probleme. Sollte es aber der Fall sein, daß sie sich nicht vertragen, nicht gleich aufgeben. Erst mal für einige Stunden beobachten. Wird dann keine Ruhe einkehren, muß man das streitsüchtige Tier wieder entfernen. |
Zucht:
im Heimkäfig halten wir ein Männchen mit
ein oder zwei Weibchen. Es wird sich eines Tages Nachwuchs einstellen. Man
bemerkt es an der zunehmenden Leibesfülle der Weibchen. Während der
Trächtigkeit ist nichts besonderes zu beachten. Man kann allerdings etwas
vermehrt Papierschnitzel anbieten. Die werdenden Mamas nutzen es gern zum
Nestbau.
Der Bock kann während der ganzen Zeit im Käfig verbleiben. Wünscht man
allerdings keinen weiteren Nachwuchs, ist eine Trennung vor der Geburt
angebracht. Vorher deshalb, weil die Tiere sich dann besser umstellen können.
Das heißt, der Bock wird umgesetzt und die Weibchen können weiterhin ihrem
Nestbau nachgehen. Sind die Jungen bereits geboren, bringt die Umsetzerei Unruhe
mit sich, die dazu führen kann, daß die Weibchen irritiert sind und den
Nachwuchs auffressen. Sind die Jungen dann geboren, braucht die Mutter Ruhe. Die
Zeit des Säugens ist für die kleinen Nager recht anstrengend. Man kann nun oft
beobachten, daß das Weibchen erschöpft an einem einsamen Plätzchen liegt und
schläft. Die Pausen sind allerdings jeweils kurz, denn sie kümmern sich
ständig um die Kinder. Mäuse sind sehr gute Mütter.
Die Jungen bleiben vom Tage der Geburt an 21 Tage bei der Mutter. Dann sind sie
selbständig und werden abgesetzt. Die Mütter sind meist 'glücklich' darüber,
daß die ansengende Zeit vorüber ist. War der Bock während der Zeit im Käfig,
ist es denkbar, daß sich bereits wieder neuer Nachwuchs ankündigt.
Die jungen Mäuse werden, nach Geschlechtern getrennt, zusammen aufgezogen. Sie
erhalten das gleiche Futter wie die großen Tiere.
Für die
Zucht von Futtertieren gilt
im Prinzip das Gleiche. Wir verwenden allerdings eventuell größere Käfige
oder Boxen, um andere Zusammensetzungen zu ermöglichen. So kommen auf ein
Männchen zwei bis vier Weibchen oder man setzt die Männchen für mehrere
Zuchtboxen ein. Das spart Männchen und ermöglicht eine gute Kontrolle. Wie
geht das? Ganz einfach: wir haben zum Beispiel drei Boxen mit jeweils drei
Weibchen. Wir besitzen einen guten Bock. Der wird nun für zwei Wochen in die
erste Box gesetzt. Während dieser Zeit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß
die Weibchen paarungswillig sind und die Paarung stattfindet. Dann kommt der
Bock in die zweite Box. Hier verbleibt er wiederum zwei Wochen. Nun werden
vermutlich bereits in der ersten Box Junge geboren sein. Der Bock wird dann in
die dritte Box umgesetzt, für wieder zwei Wochen. Nach dieser Zeit kommt er
wieder in die erste Box, aus der die ersten Jungtiere bereits abgesetzt sind.
Die Weibchen hatten eine Ruhephase und der Erfolg der Zucht ist gut.
Läßt man die Böcke bei den Weibern ist dies aber auch kein Problem. Dann muß
in jede Zuchtbox ein Männchen gesetzt werden.
Probleme:
die gibt es, wenn sich die Weibchen untereinander nicht verstehen. Das
kommt zwar selten vor weil Mäuse recht gesellige Tiere sind, aber ausschließen
kann man so etwas nie. Die Weibchen jagen sich gegenseitig und das dominante
Tier beißt das schwächere, was bis zum Tode führen kann.
Ich handhabe das so, daß ich die Weibchen möglichst früh zusammensetze und
beobachte, wie sie sich vertragen. Sind streitende dabei, wird die
Zusammensetzung geändert. - Probleme zwischen Böcken und Weibchen konnte ich
bisher auch schon feststellen. Die gehen dann aber nicht soweit, daß gebissen
wird. Sollte dabei das schwächere Tier der Bock sein, wird dieser nicht zur
Zucht eingesetzt. Es hilft einem nicht, einen schwachen Bock einzusetzen.
Die Weibchen fressen die Jungen:
auch das kommt vor. Grund kann sein, daß das Weibchen noch zu jung für die
Zucht ist. Das Weibchen ist dann überfordert und tötet die Jungen.
Möglich ist auch, daß die Tiere gestört wurden. Wie bereits erwähnt,
benötigen sie Ruhe zur Aufzucht der Kleinen. Unruhe bedeutet für die Tiere
Gefahr. Der Urinstinkt veranlasst die Tiere, die Jungen zu fressen, damit
Fressfeinde nicht durch deren Geruch angelockt werden.
Die Weibchen streiten sich um die Jungen. Ständig schleppen sie die Kleinen hin und her. In diesem Fall sollte man nicht eingreifen, auch wenn es schwer fällt. Die Mäuse in Ruhe lassen, ist das beste. Sie werden sich irgendwann einigen und es gibt Ruhe.
Es kommt kein Nachwuchs mehr. Sind die Tiere evtl. zu alt? Wenn nicht, kann man die Böcke austauschen. Das führt oft zum Erfolg. Ändert sich nichts, ist es ratsam, die Weibchen auszutauschen.
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© R. Kohlmeyer 1999 - 2007 |