Meine Schlange ist weg ...
Jeder hütet seine Terrarien, achtet auf
verschlossene Türen und auch das Innenklima und alle Bedingungen sind perfekt. Türen,
ein Thema für alle, die keine Falltüren benutzen. Falltüren sind Schiebetüren,
die nicht seitlich zu schieben sind sondern nach oben geschoben werden, um das
Terrarium zu öffnen. Diese Bauweise wird gern in kleinen Becken verwendet, da
es praktischer ist, ein Scheibe nach oben zu bewegen, als zwei winzige
Schiebescheiben, die ein kaum Platz lassen, um mit der Hand in das Terrarium zu
gelangen. Das diese das Terrarium bestens gegen Ausbrecher sichern, ist klar.
Das gesamte Terrarium soll ebenfalls ausbruchssicher
sein. Es dürfen keine Spalten oder Risse vorhanden sein (nicht den Kopf
schütteln, ich habe das alles schon gesehen). Muß man einmal ein loch für
Kabel oder sonstiges bohren, dann muß diese Öffnung wieder sorgfältig
verschlossen werden. Das ist auch wichtig, wenn das Loch klein, der Bewohner
aber groß ist. Man vergisst das nämlich im Laufe der Jahre und wenn man
umgestaltet und eines Tages vielleicht Jungtiere in dieses Becken setzt, sind
die dann plötzlich verschwunden.
Ein weiterer Punkt zur Sicherheit ist der Abstand der Schiebescheiben
zueinander. Genau dort, wo sie sich mittig überschneiden. Durch die
Gleitschienen der Terrarien ist es mitunter gegeben, daß dieser Spalt erheblich
ist. Der Fluchtweg wird von den Tieren schnell entdeckt! Es hat sich gut
bewährt, hier einen passenden schmalen Glasstreifen einzukleben. Mit Silikon
sauber gearbeitet, sieht man nichts davon. Eine andere Möglichkeit ist, hier
einen Streifen Tesa-Moll oder ähnliches anzubringen. Direkt unter den Rand der
vordere Scheibe geklebt, sieht man ihn fast nicht.
Und was ist, wenn es passiert?
Häufig liest man dann in den Foren 'Hilfe,
meine Schlange ist weg!'
Zuerst heißt es, Ruhe bewahren! Es sollte niemand
denken, er wäre nun der schlechteste Schlangenbesitzer der Welt! Jedem, der
Schlangen hält, ist schon eine entwischt, ganz sicher!!
Stellt Euch folgende Fragen:
- Wann kann sie entwichen sein? Wenn man den
ungefähren Zeitpunkt weiß,
erleichtert es die Suche. Anhaltspunkt soll immer der Moment sein, wo man
das Tier ganz sicher zuletzt gesehen hat. Nach einigen Tagen könnte die Schlange schon
überall sitzen...
- Liegt sie vielleicht noch hinter, unter oder auf dem
Terrarium? Die nächste Umgebung des Beckens wird abgesucht. Meistens wird sie
dort nicht sein, denn wer bemerkt die Flucht schon so schnell?
- Kann sie aus dem Raum entwichen sein? War
die Tür oder ein Fenster geöffnet? Spätestens jetzt sollte man Fenster und Türen
schließen, aber Vorsicht! Erst nachsehen, ob das Tier nicht gerade dort in
einem Winkel sitzt. Es wäre nicht das erste mal, daß auf diese Weise eine
Schlange zerquetscht wird. Lohnend kann auch ein Blick unter die Tür sein.
Unsere Tür z.B. schließt nicht am Boden ab, da ist ein Spalt von etwa 1cm, den
Schlangen ganz sicher finden!
- Ist sie wahrscheinlich noch im Raum? Nun geht es an die direkte Suche. Hinter, unter
und auf allen Möbeln zu schauen, ist klar. Aber hinter dem Schank?
- Wie schaut
man denn hinter dem Schrank
nach? Soll das schwere Eichenmöbel nun von der Wand? Schrank leer räumen und von der Wand rücken? Nein, es geht
einfacher. Man nimmt einen kleinen Spiegel, z.B. einen Taschenspiegel. Der wird
an einem Stock oder was man sonst zur Hand hat, befestigt. Mit einer
Taschenlampe leuchtet man hinter das Möbelstück und mit dem verlängerten
Spiegel kann man die Spalten einsehen. Das ist recht hilfreich und auf die Weise
haben wir auch schon ein Tier entdeckt.
- Sind Fußleisten vorhanden?
Sind diese eng an der Wand befestigt (meist Holzleisten) oder sind es
hohle Leisten (die zum Bekleben mit Teppichboden z.B.)? Gern schlüpfen die
Schlangen dort hinein.
- Gibt es im Raum Kabelkanäle? Überall dort kann sich die Schlange aufhalten, denn es sind tolle
Versteckplätze.
- Liegen irgendwelche gemütlichen Gegenstände
auf dem Boden? Hausschuhe, Schuhe, Pullover oder vielleicht eine große
Grünpflanze? An diesen Plätzen ist es für eine Schlange oft sehr
gemütlich.
- Besteht die Möglichkeit, daß sie in einem
anderen Raum sein kann? Auch in den anderen Räumen sucht man auf gleiche
Weise.
- Könnte die Schlange in
der Küche sein? Hier werden warme
Plätze bevorzugt. Häufig liegen die Schlangen hinter Kühlschränken und
Spülmaschinen!
- War ein Fenster geöffnet? Besteht die
Möglichkeit, daß die Schlange nach
draußen entwichen ist? Ein Blick aus
dem Fenster kann nicht schaden. In höher gelegenen Wohnungen ist es
vorgekommen, daß die Tiere sich einen Weg auf das Dach suchten oder in eine
Regenrinne gerutscht sind. Auch Treppeneingänge oder Kellerschächte werden
bevorzugt aufgesucht (Schatten und Luftfeuchtigkeit). Dazu weiter unten noch
eine Anmerkung.
- Wann hat sie gefressen, wann getrunken - könnte sie
hungrig
oder durstig sein? Ist das Tier längere
Zeit weg, wird es Durst und evtl. auch Hunger bekommen. Gerade der
Wassermangel kann uns beim Auffinden des Flüchtlings helfen. Wir stellen
abends an verschiedenen Plätzen kleine Wassernäpfe auf. Die Schlange wird
diese finden, um ihren Durst zu stillen! Man hat selbst die Chance, das Tier
dabei zu überraschen und einzufangen, aber wenigstens wird es nicht
verdursten. Diese Maßnahme ist besonders bei Jungtieren äußerst wichtig,
da sie sehr schnell dehydrieren (austrocknen).
- Als nächsten Schritt wählt man am besten die
Spurensuche.
Wie geht das? Man bestäubt den Boden an den verschiedensten Stellen im
weiten Umfeld der aufgestellten Wassernäpfe mit Mehl. Aber nur bestäuben,
sonst ist es sinnlos. Dort, wo das Tier sich nachts zum Trinken einfindet,
wird man es anhand der Spuren im Mehl sehen. So kann der Aufenthaltsort
eingekreist werden! Der betreffende Raum sollte dann sorgfältig
verschlossen gehalten werden und die o.g. Suche hier nochmals vorgenommen
werden.
Falls das Tier bereits mehrere Stunden
verschwunden ist und es ganz sicher nicht
in der Wohnung ist, gibt es ein paar
Dinge, an die man denken muß. Der wichtigste Punkt ist die Frage, ob das Tier
meldepflichtig ist. Wenn ja, dann muß man jetzt die Behörde
informieren. Dort bekommt man auch
mitgeteilt, wie man sich weiter zu verhalten hat. Man wird nicht umhin kommen,
die Polizei um Mithilfe bitten zu müssen. Meistens unterstützt die Polizei bei
der Suche, ohne Kosten zu berechnen. Auf jeden Fall erspart man sich eine Menge
weiteren Ärger, unterläßt man die Meldung nicht. Wird das Tier ansonsten dann von
fremden Personen gefunden, geht es nicht unbedingt günstig für den Besitzer
ab.
So, und nun viel Spaß beim Suchen und noch mehr
Spaß am wiedergefundenen Schleicher!!
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© R.Kohlmeyer 2000
- 2004
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