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Zeitigung und Schlupf, Seite 2


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24.04.: der 61. Tag ist etwas aufregend. Nachmittags stellen wir einen Riss im Ei fest. Es tritt dort Gel-artige Masse aus. Als ich mit einem sauberen Tuch den kleinen Schimmelfleck entfernen will, quillt durch die an der Stelle recht dünne Eihaut noch mehr Ei-Masse. Zunächst tupfe ich das Substrat etwas trocken, denn die Eier liegen nicht mehr feucht, sondern richtig nass. Durch den Austritt der Flüssigkeit aus dem Ei war das Substrat um das Ei herum klebrig. Das zweite Ei, daß in dieser Schale lag, bettete ich sehr vorsichtig um in die Nachbarschale.
Immer weiter sickerte Flüssigkeit aus dem Ei. Da ich etwas Angst um das Leben der Schlange hatte, entschloss ich mich gegen Abend, das Ei zu öffnen.

Mit einem Skalpell machte ich einen etwa 3cm langen Schnitt in die Eischale. Dabei war ich sehr vorsichtig, denn es darf keines der direkt unter der Schale befindlichen Äderchen verletzt werden. Das gelang mir recht gut, wenn auch mit leicht weichen Knien. Wie mochte es dem Python-Kind gehen? Vorsichtig schaute ich in die Öffnung. Die kleine Schlange bewegte sich kurz. Erleichtert schloss ich den Inkubator. In den folgenden Stunden legte ich immer wieder frische Krepptücher neben das geöffnete Ei auf das Substrat, um die größte Menge an Flüssigkeit aufzusaugen. - Die beiden anderen Eier waren unverändert gut. Lediglich das umgebettete Ei erschien mir sehr prall, wollte aber nicht mehr nachmessen, um es nicht unnötig zu verletzen.

erster Schnitt

schmales Dreieck Am nächsten Tag setzte ich das Wechseln der Krepptücher fort. Inzwischen hatte ich nachgelesen, was die Autoren Ross und Marzek in Ihrem Buch 'Riesenschlangen, Zucht und Pflege' zu diesem Thema sagten. Nun, sie raten, ein Python-Gelege evtl. am 62. Tag der Inkubation zu öffnen. Die Jungschlangen sollen dann ausgereift sein. Sie meinen, man soll erst eines der Eier öffnen. Wenn dort die Jungschlange voll pigmentiert ist und lebt, ist auch bei allen anderen die Entwicklung abgeschlossen. Die Vorgehensweise ist so, wie ich sie bereits begonnen hatte. Wir konnten uns aber noch nicht entschließen, die beiden anderen Eier auch schon zu öffnen, zumal das umgebettete Ei optisch wieder an Volumen abgenommen hatte und nicht mehr so prall war. -  Dennoch wollte ich mehr wissen und vergrößerte den Schnitt zu einem schmalen Dreieck.

Die kleine Schlange sah gut aus und sie bewegte sich bei Berührung von außen. Die Blutgefäße waren noch immer völlig intakt und somit sollte es dem kleinen Tier wohl gut gehen. 
Die Krepptücher wechselte ich auch weiterhin. Ich wollte das Substrat einfach trockener bekommen. Es war erstaunlich, wie viel Flüssigkeit sich dort ansammelte ... am frühen Morgen des 26. April war es soweit: Baby aus Ei 6 steckte die Nase aus dem Ei !

Zusammenfassung der Daten zum Gelege vom 22. Februar

Datum Ausfälle Maße Ei 1 Maße Ei 2 Maße Ei 3 Maße Ei 4 Maße Ei 5 Maße Ei 6
22.02. keine 84,0 x 47,5 Dellen 75,8 x 46,0 Dellen 74,3 x 46,6 75,9 x 46,6 70,1 x 46,6 80,1 x 44,2
28.02. 2 tot tot -- -- -- --
04.03. 1   -- -- tot --
07.03. keine 72,3 x 46,0 73,4 x 46,0   79,4 x 43,6
14.03. keine 71,9 x 46,8 72,7 x 45,5 77,1 x 43,4
23.03. keine 71,0 x 46,0 71,9 x 45,6 78,9 x 43,8
01.04. keine 71,6 x 47,4 72,3 x 45,2 78,6 x 43,7
08.04. keine 71,9 x 47,8 73,7 x 46,8 78,9 x 44,4
13.04. keine 73,6 x 47,2 74,2 x 47,3 79,2 x 45,6
23.04. keine 76,7 x 47,7 76,4 x 52,5 81,4 x 48,9
26.04. keine Nase frei Nase Frei Nase frei
 

-Wie sich die kleinen Pythons entwickeln, steht hier-


Am 04. Mai wollte ich ausnahmsweise abends bei dem großen Pythonweib sprühen (sonst macht das mein Mann). Ich stand also am Terrarium und öffnete die Ablagekiste, in der das Weibchen fast immer lag. Diesmal war sie eng zusammengerollt - das kannten wir ja jetzt. Ich war mir sicher, sie hatte abgelegt.  Vorsichtig sprühte ich neben das Weibchen auf das Moos. Die Schlange reckte den Kopf etwas hoch, da konnte ich ein schönes, weißes Ei sehen. Ja, das Gelege war da. Ich holte meinen Mann und bereitete schnell die beiden Schalen vor, die ja schon geputzt bereit standen... Vermiculite eingeweicht ... rein damit in die Schalen ... hoffend, daß es sechs Eier wären (mehr passen nicht in die Schalen), machten wir uns an die Planung, wie wir das Weibchen am besten vom Gelege entfernen. Diese Dame ist in zwei Situationen etwas gereizt: wenn sie Hunger hat und wenn sie ihr Gelege verteidigt. - Unsere Bewegungen vor dem Terrarium verfolgte sie genau, also entschlossen wir uns, sie abzulenken. Mein Mann deckte sie mit einem Handtusch zu, griff ihren Vorderkörper und löste sie so vorsichtig von ihrem Gelege. Sofort war sie ruhig. Ich nahm unterdessen das Gelege heraus. 

Gelege

Die Eier waren alle miteinander verklebt und bildeten eine Pyramide. Naja, meine Vermiculite-Schalen konnte ich vergessen. Ich legte das komplette Gelege vorsichtig auf den Drahtrost im Inkubator und stützte es mit Moos ab, das ich aus der Ablagekiste schnappte. So lagen die Eier in exakt der gleichen Lage wie vorher.
Die 8 Eier waren noch größer als beim ersten Gelege, und sie waren auch alle etwa gleich groß. Ich empfand sie auch von der 'Schale' her fester. 

gelege am 0505

Ei1 ist das obere, 
Ei2 ist das vorn rechts liegende

Das große Gelege 
ist mit Moos geschützt

05.Mai, 1. Tag: das Gelege ist bisher nicht eingefallen, lediglich ganz keine Dellen sind zu sehen. Die dürften daher kommen, daß die Mutter sich eng um die Eier gelegt hatte. Ansonsten ist kein Schaden festzustellen. - Es beginnen wieder zwei lange, spannende Monate ...

25.05.: 21. Tag: Zwischenzeitlich ist das obere Ei etwas eingefallen, aber unverfärbt. Es wäre denkbar, daß dieses Ei zu dicht unter der Heizspirale des Inkubators liegt. Leider ist dieser Zustand aber nicht zu ändern.
Die anderen sieben Eier sehen unverändert aus. Trotz des fehlenden Substrats scheint sich bei diesem Gelege alles gut zu entwickeln.

Gelege2 08.06. 08.06.: 35. Tag: Obwohl der Inkubator ausreichende Luftfeuchtigkeit bietet, verschwindet die große Delle im oberen Ei nicht. Es zeigt allerdings keine negativen Veränderungen (Verfärbung etc.). An Länge hat sich ein wenig verändert, von daher dürfte das Jungtier noch leben. Dennoch haben wir keine Hoffnung, daß aus diesem Ei einmal ein Python schlüpfen wird. - Ein weiteres Ei, das seitlich liegt, zeigt eine größere Delle, diese ist aber wohl noch unbedenklich.

Gelege2 08.06.

Das obere Ei 
weist eine heftige Delle auf

Im Hintergrund (Bild oben) 
sieht man das 2. deformierte Ei

29.06.: es ist der 56. Tag oder besser die Nacht zum 56. Tag. Am Vortag wollte ich eigentlich endlich neue Maße aufnehmen, kam aber aus zeitlichen Gründen nicht dazu. Mittags hatte ich noch mit der Schieblehre in der Hand am Kasten gestanden, da klingelte wieder einmal das Telefon ... so blieb das Maßnehmen aus, aber der Python hatte da noch nicht aus dem Ei geschaut! Abends rief mein Mann: "Komm schauen, ein Baby schlüpft!" Das konnte ich nicht glauben, aber es war so. Ausgerechnet aus dem völlig verformten, eingedellten Ei schaute ein kleines Köpfchen hervor. 

Schlupf am 28./29.06 Langsam öffneten wir den Inkubator um zu sehen, ob die kleine Schlange überhaupt lebte. Oh ja, sie lebte. Sie drehte ihr schmales Köpfchen ein wenig zur Seite. Ob dieser kleine Python gesund war,  zeigte sich erst, wenn er das Ei ganz verlassen würde. Wir gingen davon aus, daß es noch ein paar Tage dauern würde. - Vielleicht war es diesem Kleinen in dem Ei einfach zu eng geworden? Auffällig war aber, daß der Kopf recht schmal aussah. Wir mussten abwarten, was weiter passierte.
Die anderen Eier zeigten keine Anzeichen eines bevorstehenden Schlupfes. Vielleicht dauerte es bei ihnen ja noch bis zum 60. oder 70. Tag. Für die Schlangenkinder wäre es sicher gut, noch ein wenig Zeit zur Entwicklung zu haben.
Schlupf nachts gegen 1 Uhr

Wir stellten einen deutlichen Unterschied zum ersten Gelege fest: der Innendruck der Eier war völlig unterschiedlich. Zum Vergleich
1. Gelege: der Druck in den Eiern war so hoch, daß Flüssigkeit durch die Schale nach außen drang. Ich hatte ja daraufhin jeweils kleine Entlastungsschnitte in die Häute gemacht.
2. Gelege: die Eier waren nicht so prall. Obwohl das Gelege immer feucht lag (oft dachte ich sogar, es wäre u.U. etwas zu feucht auf dem Moos), traten die Dellen auf. Berührte man die Eier mit den Fingerspitzen, konnte man fühlen, daß die Eihaut immer leicht feucht war. Strich man jetzt zum Ende der Inkubationszeit über die Eier, konnte man die Eihäute leicht eindrücken. Das wäre bei dem ersten Gelege unmöglich gewesen. 
Im Nachhinein war ich froh, dem ersten Gelege ein wenig geholfen zu haben. Vielleicht wären die Kleinen sonst tatsächlich erstickt !?
Diese Beobachtungen machen diesen zweiten Schlupf noch spannender. Wie würden die kleinen Pythons aussehen? Waren sie gesund und munter oder war das gesamte Gelege nicht in Ordnung? Fragen über Fragen, die einmal mehr in den nächsten Tagen Aufregung mit sich brachten. Terraristik wird nie langweilig!

Gelege am 30.06.

30.06., 57. Tag: Morgens schauten vier weitere Nasen aus den Eiern, am Mittag war noch ein Köpfchen zu sehen. Die letzten zwei Pythons würden mit Sicherheit auch schlüpfen. 
Am Abend war der erste Python komplett aus dem Ei geschlüpft. Er war vollkommen in Ordnung und recht munter.
Nun warteten wir darauf, daß die anderen kleinen Schlangen in den nächsten Tagen ihre Eier verlassen sollten.

Gelege am Schlupf

Am Folgetag war das Jungtier aus Ei 2 komplett geschlüpft und die anderen sechs Nasen schielten aus den Eiern. Es war also, trotz der relativ kurzen Inkubationszeit, ein Schlupf von 100% zu verzeichnen !

Zusammenfassung der Daten zum Gelege vom 04.05.2001

Datum Ausfälle Maße Ei 1 Maße Ei 2
04.05. keine 85,5mm Länge 90,2mm Länge
25.05. keine 84,6mm Länge 89,7mm Länge
08.06. keine 84,9mm Länge 90.1mm Länge
29.06. keine Schlupf nicht gemessen
30.06. keine -- Schlupf
01.07. keine knapp 20g, .. cm 62g, .. cm
 

-Fortsetzung hier-

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