Nachzucht
1999 legte das 'große' Weibchen zwei Gelege
ab, nachdem es vorher etwa eine Woche lang Probegrabungen im gesamten Terrarium vorgenommen
hatte. Das Becken sah dann etwa aus, wie ein Truppenübungsplatz ... Das erste Gelege
umfaßte 21 Eier, das zweite 20 Eier. Die Eier wurden in einer Jäger-Kunstglucke
bei
29°C und hoher Luftfeuchtigkeit gezeitigt. Um die Luftfeuchtigkeit zu halten, wurde
täglich auf die Matte der Kunstglucke gesprüht (warmes Wasser). Alle 20 Tage
kontrollierte ich das Substrat und füllte bei Bedarf etwas warmes Wasser nach (am Rand
einlaufen lassen, nicht die Eier mit dem Wasser benetzen). Es schlüpften alle 41 Junge.
Sie entwickelten sich prächtig, die des zweiten Geleges waren allerdings etwas größer
(die ersten im Schnitt 11,2cm, die zweiten 12cm GL.).
Die jungen Bartagamen gab ich mit drei bzw. 5 Lebenswochen ab. Sie entwickeln sich bis
heute alle recht gut und es hat meines Wissens bisher keine Verluste gegeben.
Es werden zwar auch kürzere Zeiten aufgeführt, aber da sind dann die Inkubations-Temperaturen höher als bei uns. - So kam es, daß ich (wie sollte es auch anders sein) vom Schlupf überrascht wurde und keinerlei Vorbereitungen treffen konnte. Pünktlich zum Wochenende ging's los... Wann auch sonst?
Ein kleines Aquarienbecken (60x40x40cm) hatte ich stehen. Einen Heizstab hatte ich auch schon besorgt. Also bereitete ich das Becken vor: Heizstab 'rein, Sand drüber, Korkstücke dazu, Wände von außen bekleben, Heizung anschließen. Ja, das war ein Problem: gelesen hatte ich oft davon, daß Leute die Heizstäbe im Sand verwenden. Mir kam das etwas suspekt vor, aber ich versuchte es - man lernt ja immer gern dazu... Nach drei Stunden war der Sand beim oberflächlichen Fühlen kalt. Na toll. Ich schob meine Hand etwas tiefer in den Sand - au - verbrannt! Der Sand war in der Umgebung des Heizstabes glühend heiß! Schnell Stecker 'raus und das ganze abkühlen lassen. Also solche Tipps taugen nichts! Ich war nur froh, daß es meine Finger waren, die verbrannt glühten und nicht die kleinen Bartagamen. - Eigentlich war ich reichlich sauer auf die Leute, die so einen Blödsinn via Newsgroup verbreiten. Am liebsten hätte ich die betreffenden Mails herausgesucht und meine Kommentare abgegeben, aber dazu fehlte die Zeit, die Bartagamen waren am Schlüpfen. Aber für die, die das hier lesen und bereits solche Tipps abgegeben haben: schreibt in Zukunft bitte dazu, wie viel Jungtiere ihr mit der Methode schon gebraten habt...!
Am dritten Lebenstag ließ ich die Babys in das kleine, umgestaltete Aquarium. Das
Aquarium war mit Vogelsand, Korkstücken, Holzscheiben und zwei flachen Wasserschälchen
ausgestattet. Die Seitenwände waren alle mit Papier beklebt, damit sich die kleinen
Bartagamen in völliger Ungestörtheit an das Leben gewöhnen konnten. Die Abdeckung
meiner Kinderstube bestand aus Pappstreifen und zwei Lampen. Diese Lampen brachten auch
die nötige Wärme von ca. 26°C (kleine Bartagamen vertragen in den ersten Lebenswochen
noch nicht so starke Wärme). Das war zwar alles etwas zeitaufwendig, aber es hat sich
gelohnt, denke ich. Am dritten Lebenstag versuchte ich es auch mit der ersten Fütterung.
Ich hatte kleine Heimchen besorgt, von denen ich einige in den Agamenbehälter gab. Das
war ein böser Fehler, wie sich schnell zeigen sollte. - Die Heimchen waren noch nicht
ganz im Becken, da rannten die Baby-Agamen wie wild durch die Gegend, völlig hilflos und
ängstlich (die Heimchen hatten sie wohl grausam erschreckt). Ich sammelte die Heimchen
wieder ein und schnitt Löwenzahn in kleine Stückchen. Das war wohl besser. Die kleinen
Agamen fraßen. Dann bekamen sie kleine Grillen, die ja wesentlich ruhiger sind als die
Heimchen. Auch mit den Grillen kamen meine Zwerge gut zurecht.
Da meine Tiere bis auf 1-2 Millimeter völlig gleiche Körpermaße hatten und sich absolut gleichmäßig entwickelten, gab es bei mir keine Rangordnungskämpfe. Das ist aber nicht immer so. Auch Junge eines Geleges können sich unterschiedlich entwickeln und sehr unterschiedlich wachsen. Man muß daher ständig darauf achten, ob sich eines der Kleinen dunkel verfärbt oder in einer Ecke kauert. Beobachtet man so ein Tier, muß es umgehend separat gesetzt werden. Es würde ansonsten an Stress eingehen. Auch sollte man in ein Aufzuchtbecken keine Kletteräste mit erhöhten Stellen einsetzen. Die Bartagamen haben die Angewohnheit, daß die ranghöchsten Tiere auch auf den höchsten Plätzen sitzen. Die anderen fühlen sich unterdrückt und leiden unter unnötigem Stress. Besser ist es immer (auch bei adulten Tieren), Kletteräste zu wählen, die relativ waagerecht verlaufen bzw. keine hervortretenden Spitzen haben.
Mein 'Grillendosen-Umsetzverfahren' wandte ich beim
Schlupf des zweiten Geleges wieder an. Ich denke, es ist gut, wenn die Jungtiere einfach
Ruhe und Zeit bekommen. Meine Zwerge hatten immer ein Schälchen mit geriebener Sepiaschale
im Becken stehen. Ich habe oft beobachtet, daß sie die Sepia gern aufpicken.
Was ich nicht mehr machen werde: ich fütterte zu Beginn zeitweise Wachsraupen. Von Herrn
Hauschild wurde ich darauf hingewiesen, daß diese extrem fett- und nährstoffreich sind.
Der Verdauungsapparat der jungen Tiere ist aber noch nicht in der Lage, diese Stoffe
umzusetzen. Das bedeutet, man tut den Tieren nichts gutes sondern man setzt deren
Gesundheit aufs Spiel.
Daher keine Wachsraupen, keine Mehlwürmer!
Des öfteren erhielt ich Mitteilungen, daß es 'meinen' Nachzuchten gut ging. Alle 41 Tiere sind (letzter Stand: nach 11 Monaten) wohlauf und haben sich prächtig entwickelt. Eine Halterin berichtete mir, daß ihre Bartagamen sehr schöne Farben ausgebildet haben, sehr zahm sind und etwa 70% pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. - Genau das war mein Ziel. Schöne Bartagamen, die ihren Besitzern Freude machen und sich gut entwickeln.
Mehr Daten zur Zucht gibt es hier -bitte klicken-