FAQ


Kauf von Bartagamen


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Karstens kleine Agamen Wo ich meine Tiere erwerbe, spielt im Grunde nicht die große Rolle zur Zeit. Wichtiger ist, in welchem Zustand sind die Tiere. Diese These vertrete ich aber (nur) bei den Bartagamen. Dazu muß man wissen, daß die Bartagamen seit Jahren nicht mehr aus Australien importiert werden. Australien hat die Ausfuhr von Tieren (und Pflanzen) streng verboten, um die Bestände zu schützen. Diese Maßnahme ist durchaus zu begrüßen!
Nachteil: durch das Handelsverbot gibt es keine frischen Zuchttiere mehr, es stammen demnach alle Bartagamen aus Nachzuchten. Es fällt nicht schwer sich auszurechnen, daß es eines Tages kaum mehr die Möglichkeit einer reinen Zucht gibt. An diesem Punkt stehen wir mit den Bartagamen jetzt. 
Wer eine gute Zucht betreiben will, ist darauf angewiesen. seine Tiere aus verschiedenen Beständen zu erwerben. Etwas überspitzt wäre es am besten, ein Tier aus Flensburg, eins aus München, eines aus Potsdam... Und selbst dann kann man nicht sicher sein, das die Tiere nicht doch miteinander verwandt sind. Das Problem ist also Inzucht. Dazu gleich mehr ...

Immerhin ist dies der Grund für meine obige Aussage. Es spielt nicht unbedingt eine Rolle, ob die Tiere beim Händler oder beim Züchter erworben werden. Auf Reptilienbörsen sollte man keine Tiere kaufen. Börsen finden im Sommer an fast jedem Wochenende irgendwo statt. Für die Tiere bedeutet dies, daß sie an jedem Wochenende irgendwohin transportiert werden und den Börsenrummel ertragen müssen, bis sie dann verkauft sind. aufgrund des hohen Streßfaktors ist daher unbedingt von so einem Kauf abzuraten! Aufgrund der großen Beliebtheit unserer Bartagamen wird vermehrt, was das Zeug hält ...  Man nimmt die Tiere bereits nach drei bis vier Wochen aus der Winterruhe, um sie früher zur Paarung zu animieren. 
Die Weibchen werden so zu bis zu vier und fünf Gelegen in der Saison 'getrieben' - alles aus Profitgier. Leider sind auch eine ganze Reihe von Privatleuten an diesen Praktiken beteiligt. Als Laie kann man weder diese Vermehrer noch die Tiere erkennen ...

Wer also ein schönes Tier sieht, sollte es kaufen, egal ob es von einem Züchter oder von einem Händler stammt. Beachten soll man lediglich, daß das Tier einen munteren, aufgeweckten Eindruck macht. Es darf keinen verkrümmten Rücken haben, keine weichen Kiefer und keine steifen Gliedmaßen. Der Allgemeinzustand soll gut sein. Etwas abgemagerte Bartagamen, die aber ansonsten munter sind, kann man leicht durch die Fütterung mit Heuschrecken aufpeppen (Vitaminzugaben nicht vergessen). Fehlende Zehen oder Schwanzspitzen hingegen müssen nichts bedeuten. Die Bartagamen gehen ja nicht immer zimperlich mit ihresgleichen um und von daher entstehen solche 'Schäden' häufig bereits in den ersten Lebenstagen oder -wochen.  half tailed
Allerdings speichern die Echsen in ihren Schwänzen Fettreserven. Fehlt ein größerer Teil des Schwanzes, ist ganz besonders auf eine regelmäßige Fütterung zu achten!

ein abgebissener Schwanz 
- der kleine Kerl ist ansonsten agil und gesund

Wie ist das nun mit der Inzucht? Die Gründe habe ich schon erwähnt. Inzucht entsteht durch die Verpaarung von Geschwistern miteinander. In der ersten Generation treten meist noch keine Schäden auf, es kann aber vorkommen, daß die Nachzucht bereits unfruchtbar ist. Werden nun diese Nachzuchten wieder miteinander verpaart, kommt es (fast immer) zu schweren Erbschäden der daraus entstehenden Nachzuchten.
Erkennt man Tiere aus Inzuchten? In erster Generation wird man es nicht erkennen denke ich. In zweiter oder dritter Generation vermutlich ja. Die Bartagamen sehen körperlich nicht schön aus, oft haben sie Verformungen des Rückens, die Leiber sind nicht so rund ausgeformt, wie es sein sollte, die Gliedmaßen sind häufig extrem lang. In einem Alter von vier bis sechs Monaten sterben die meisten von ihnen. 
Erwirbt man nun seine Tiere im Babyalter ist man nie sicher, ob sie das erste Lebensjahr überstehen.
Bekommt man Tiere der ersten Generation, ist eine Zucht mit diesen Tieren möglich - wenn man den Bestand an verschiedenen Orten erwirbt, wie bereits erwähnt. Jungtiere aus den gleichen Terrarien sind eigentlich immer Geschwister! Um jedes Risiko auszuschließen, rate ich daher, nie Geschwister aus unklaren Zuchten zu kaufen. Ist absolute Sicherheit gegeben, daß die Eltern nicht verwandt sein können, wird es bei der Verpaarung von deren Nachzucht-Geschwistern meist noch keine Inzuchtschäden geben. Deren Nachkommen allerdings (also die dritte Generation) sind u.U. bereits inzuchtgefährdet. Solche Nachzuchten wollte man daher besser nicht mehr miteinander verpaaren. 
Kompliziert? Nochmal mit Beispiel: Herr Müller besitzt ein Zuchtpaar Bartagamen, das ganz sicher nicht miteinander verwandt ist. Er erhält Nachzuchten (NZ), die sog. F1 Generation. Er verkauft an Frau Schmidt drei dieser inzuchtfreien NZn. Frau Schmidt zieht diese Tiere auf und besitzt somit eines Tages inzuchtfreie Elterntiere, die aber Geschwister sind! Die Jungen aus dieser Verpaarung sind NZ in der F2 Generation und bereits hier können Inzucht-Schäden auftreten. Sicher ist jedenfalls, daß ein Teil dieser Jungtiere geschädigte Gene tragen. Frau Schmidt wäre somit besser beraten, ihre Tiere nicht zu verpaaren. Sollte sie Glück haben, und in der F2-Generation treten noch keine Schäden auf, besteht bei der nächsten, der F3-Nachzucht allerdings eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit genetischer Schäden, da sich nun zwei Tiere mit geschädigten Genen treffen können. Und da Frau Schmidt nicht wissen kann, wo ihre Nachzuchten verbleiben und sie sicher auch jeweils mehr als ein Tier an Interessenten abgeben wird, ist dies nie auszuschließen.
Herr Müller verkauft auch eines seiner F1-Tiere an Herrn Schulz. Der erwirbt noch zwei weitere von Herrn Schröder. Sobald sich diese Tiere verpaaren, besitzt Herr Schulz ein nicht verwandtes und inzuchtfreies Elternpaar und wieder NZ in der F1 Generation.
Das zeigt vielleicht ein wenig deutlicher, daß man immer gut beraten ist, seine Tiere grundsätzlich bei verschiedenen Züchtern zu erwerben. Sicher vor Inzuchten ist man dennoch nicht, denn es ist selten bekannt, woher die Tiere genau stammen. Um diesem Risiko vorzubeugen, wäre eine eindeutige Identifizierung nötig. Das ist aber bei Bartagamen kaum durchführbar, da die Tiere nicht klar zu unterscheiden sind. Sie tragen keine Merkmale, die eine sichere Unterscheidung zulassen. 
Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, wenn der auserwählte Züchter mehrere Zuchtgruppen besitzt, aus denen er NZ'n anbietet. Dann kann man selbstverständlich mehrere Tiere dort erwerben.

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Kaufe ich besser ein Männchen oder ein Weibchen?

Gabys Bartagame

Auch diese Frage wird oft gestellt. Will man eine einzelne Bartagame halten, ist es einfache Sache - man wählt ein Männchen. Ohnehin bekommt sehr viel leichter Männchen zu kaufen. Der Grund ist einfach der, daß die meisten Leute Gruppen von einem Männchen und zwei oder drei Weibchen halten. Dabei bleiben dann natürlich mehr Männchen frei zum Verkauf. 
Inzwischen ist auch eine Tendenz zu hohen bis sehr hohen Preisen für Weibchen zu erkennen. Im letzten Herbst konnte man beobachten, daß für junge Bartagamen im Schnitt um 80 DM verlangt wurde. Jetzt, im späten Winter liegen die Preise bereits knapp unter 100 DM, für Weibchen werden schon teilweise bis 250 DM verlangt - und bezahlt! 

Je älter die Tiere sind, um so teurer werden sie. Ein ausgewachsenes Weibchen wechselt heute nicht selten für 450-490 DM den Besitzer. Ich persönlich halte solche Preise zwar für absolut zu hoch, aber ...
Da beide Geschlechter in Einzelhaltung völlig gleiche Ansprüche haben und dazu im Verhalten absolut identisch sind, sollte man sich unbedingt für ein Männchen entscheiden.


Wie viele Bartagamen soll ich kaufen?

Das muß jeder selbst entscheiden. Die erste Frage, die man sich beantworten muß, ist der Platz. Ein Pärchen benötigt bereits ein Terrarium von 150cm Länge, für jedes weitere Tier sollte das Terrarium mindestens 15cm länger sein. Ist diese Frage geklärt, bestimmt evtl. viel Platz aber nicht die Zahl der möglichen Haltung allein. 
Die gängigste Haltung liegt bei einem Einzeltier oder Gruppen von einem Männchen mit ein oder zwei Weibchen. Man sollte sich immer vor Augen halten, daß es teure Tiere sind, weniger in der Anschaffung als im Unterhalt. Die laufenden Kosten für das Terrarium sind damit nicht gemeint. Da ist es gleich, ob man 2 oder 7 Agamen hält. Aber die Futterkosten sind bei dieser gefräßigen Art nicht außer acht zu lassen. Berechnungen verschiedener Halter haben ergeben, daß man mit Futterkosten von ca. 10 DM/Woche pro Tier rechnen muß. Das ergibt bei zwei Tieren im Monat etwa 80 DM, bei fünf Tieren bereits 200 DM. Die Tiere haben auch dann Hunger, wenn man selbst einmal Ebbe im Portemonnaie hat. Besonders die Futterkosten sind es auch, die immer wieder die Halter dazu zwingen, ihre Tiere abzugeben. Fast alle der adulten Bartagamen, die im Handel angeboten werden, kommen aus solchen Notverkäufen. Und fast alle dieser Halter haben nicht gewußt, was da auf Dauer an Kosten auf sie zukommt. Gibt es dann noch Nachzuchten, die ja ebenfalls versorgt sein
wollen, verlieren viele Leute schnell die Lust an den Tieren. - Daher ist es besser, man hält ein Einzeltier oder, sollte man den Wunsch haben Jungtiere aufzuziehen, ein Pärchen. - Zu Nachzuchten ist noch anzumerken, daß es nicht immer einfach ist, diese an den Mann/die Frau zu bringen. Da muß man mitunter schon Wochen Zeit haben, bis das letzte Tierchen verkauft ist. Einige Züchter gehen bereits dazu über, die Gelege teilweise nicht mehr zu inkubieren, da die Nachzuchten in manchen Regionen schwer abzusetzen sind. - Wer spekuliert und glaubt, mit vielen Zuchttieren das große Geld machen zu können, der wird sehr bald merken, daß er sich verrechnet hat. Eine kostendeckende Zucht zu erreichen, ist fast unmöglich, einen Gewinn zu erzielen, so gut wie ausgeschlossen.
Bartagamen sind Tiere, die man hält, weil man sie mag und die ganz klar Geld kosten.

 

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© R.Kohlmeyer 2000 - 2001

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