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Immerhin ist dies der Grund für meine obige Aussage. Es
spielt nicht unbedingt eine Rolle, ob die Tiere beim Händler oder beim
Züchter erworben werden. Auf Reptilienbörsen sollte man keine Tiere
kaufen. Börsen finden im Sommer an fast jedem Wochenende irgendwo statt. Für
die Tiere bedeutet dies, daß sie an jedem Wochenende irgendwohin transportiert
werden und den Börsenrummel ertragen müssen, bis sie dann verkauft sind.
aufgrund des hohen Streßfaktors ist daher unbedingt von so einem Kauf
abzuraten!
Aufgrund der großen Beliebtheit unserer
Bartagamen wird vermehrt, was das Zeug hält ... Man nimmt die Tiere
bereits nach drei bis vier Wochen aus der Winterruhe, um sie früher zur Paarung
zu animieren.
Die Weibchen werden so zu bis zu vier und fünf Gelegen in der Saison
'getrieben' - alles aus Profitgier. Leider sind auch eine ganze Reihe von
Privatleuten an diesen Praktiken beteiligt. Als Laie kann man weder diese
Vermehrer noch die Tiere erkennen
...
Wie ist das nun mit der Inzucht? Die Gründe habe
ich schon erwähnt. Inzucht entsteht durch die Verpaarung von Geschwistern
miteinander. In der ersten Generation treten meist noch keine Schäden auf, es
kann aber vorkommen, daß die Nachzucht bereits unfruchtbar ist. Werden nun
diese Nachzuchten wieder miteinander verpaart, kommt es (fast immer) zu schweren
Erbschäden der daraus entstehenden Nachzuchten.
Erkennt man Tiere aus Inzuchten? In erster Generation wird man es nicht erkennen
denke ich. In zweiter oder dritter Generation vermutlich ja. Die Bartagamen
sehen körperlich nicht schön aus, oft haben sie Verformungen des Rückens, die
Leiber sind nicht so rund ausgeformt, wie es sein sollte, die Gliedmaßen sind
häufig extrem lang. In einem Alter von vier bis sechs Monaten sterben die
meisten von ihnen.
Erwirbt man nun seine Tiere im Babyalter ist man nie sicher, ob sie das erste
Lebensjahr überstehen. Bekommt man Tiere der ersten
Generation, ist eine Zucht mit diesen Tieren möglich - wenn man den Bestand an
verschiedenen Orten erwirbt, wie bereits erwähnt. Jungtiere aus den gleichen
Terrarien sind eigentlich immer Geschwister! Um jedes Risiko auszuschließen,
rate ich daher, nie Geschwister aus unklaren Zuchten zu kaufen. Ist
absolute Sicherheit gegeben, daß die Eltern nicht verwandt sein können, wird
es bei der Verpaarung von deren Nachzucht-Geschwistern meist noch keine
Inzuchtschäden geben. Deren Nachkommen allerdings (also die dritte Generation)
sind u.U. bereits inzuchtgefährdet. Solche Nachzuchten wollte man daher besser
nicht mehr miteinander verpaaren.
Kompliziert? Nochmal mit Beispiel: Herr Müller besitzt ein Zuchtpaar
Bartagamen, das ganz sicher nicht miteinander verwandt ist. Er erhält
Nachzuchten (NZ), die sog. F1 Generation. Er verkauft an Frau Schmidt
drei dieser inzuchtfreien NZn. Frau Schmidt zieht diese Tiere auf und besitzt
somit eines Tages inzuchtfreie Elterntiere, die aber Geschwister sind! Die
Jungen aus dieser Verpaarung sind NZ in der F2 Generation und bereits
hier können Inzucht-Schäden auftreten. Sicher ist jedenfalls, daß ein Teil
dieser Jungtiere geschädigte Gene tragen. Frau Schmidt wäre somit besser
beraten, ihre Tiere nicht zu verpaaren. Sollte sie Glück haben, und in der
F2-Generation treten noch keine Schäden auf, besteht bei der nächsten, der F3-Nachzucht
allerdings eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit genetischer Schäden, da sich nun
zwei Tiere mit geschädigten Genen treffen können. Und da Frau Schmidt nicht
wissen kann, wo ihre Nachzuchten verbleiben und sie sicher auch jeweils mehr als
ein Tier an Interessenten abgeben wird, ist dies nie auszuschließen.
Herr Müller verkauft auch eines seiner F1-Tiere an Herrn Schulz. Der erwirbt
noch zwei weitere von Herrn Schröder. Sobald sich diese Tiere verpaaren,
besitzt Herr Schulz ein nicht verwandtes und inzuchtfreies Elternpaar und wieder
NZ in der F1 Generation.
Das zeigt vielleicht ein wenig deutlicher, daß man immer gut beraten ist, seine
Tiere grundsätzlich bei verschiedenen Züchtern zu erwerben. Sicher vor
Inzuchten ist man dennoch nicht, denn es ist selten bekannt, woher die Tiere
genau stammen. Um diesem Risiko vorzubeugen, wäre eine eindeutige
Identifizierung nötig. Das ist aber bei Bartagamen kaum durchführbar, da die
Tiere nicht klar zu unterscheiden sind. Sie tragen keine Merkmale, die eine
sichere Unterscheidung zulassen.
Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, wenn der auserwählte Züchter mehrere
Zuchtgruppen besitzt, aus denen er NZ'n anbietet. Dann kann man
selbstverständlich mehrere Tiere dort erwerben.
Kaufe ich besser ein Männchen oder ein Weibchen?
Je älter die Tiere sind, um so teurer werden sie. Ein
ausgewachsenes Weibchen wechselt heute nicht selten für 450-490 DM den
Besitzer. Ich persönlich halte solche Preise zwar für absolut zu hoch, aber
...
Da beide Geschlechter in Einzelhaltung völlig gleiche Ansprüche haben und dazu
im Verhalten absolut identisch sind, sollte man sich unbedingt für ein
Männchen entscheiden.
Wie viele Bartagamen soll ich kaufen?
Das muß jeder selbst entscheiden. Die erste
Frage, die man sich beantworten muß, ist der Platz. Ein Pärchen benötigt
bereits ein Terrarium von 150cm Länge, für jedes weitere Tier sollte das
Terrarium mindestens 15cm länger sein. Ist diese Frage geklärt, bestimmt evtl.
viel Platz aber nicht die Zahl der möglichen Haltung allein.
Die gängigste Haltung liegt bei einem Einzeltier oder Gruppen von einem
Männchen mit ein oder zwei Weibchen. Man sollte sich immer vor Augen halten,
daß es teure Tiere sind, weniger in der Anschaffung als im Unterhalt. Die
laufenden Kosten für das Terrarium sind damit nicht gemeint. Da ist es gleich,
ob man 2 oder 7 Agamen hält. Aber die Futterkosten sind bei dieser gefräßigen
Art nicht außer acht zu lassen. Berechnungen verschiedener Halter haben
ergeben, daß man mit Futterkosten von ca. 10 DM/Woche pro Tier rechnen muß.
Das ergibt bei zwei Tieren im Monat etwa 80 DM, bei fünf Tieren bereits 200 DM.
Die Tiere haben auch dann Hunger, wenn man selbst einmal Ebbe im Portemonnaie
hat. Besonders die Futterkosten sind es auch, die immer wieder die Halter dazu
zwingen, ihre Tiere abzugeben. Fast alle der adulten Bartagamen, die im Handel
angeboten werden, kommen aus solchen Notverkäufen. Und fast alle dieser Halter
haben nicht gewußt, was da auf Dauer an Kosten auf sie zukommt. Gibt es dann
noch Nachzuchten, die ja ebenfalls versorgt sein wollen, verlieren viele Leute
schnell die Lust an den Tieren. - Daher ist es besser, man hält ein Einzeltier
oder, sollte man den Wunsch haben Jungtiere aufzuziehen, ein Pärchen. - Zu
Nachzuchten ist noch anzumerken, daß es nicht immer einfach ist, diese an den
Mann/die Frau zu bringen. Da muß man mitunter schon Wochen Zeit haben, bis das
letzte Tierchen verkauft ist. Einige Züchter
gehen bereits dazu über, die Gelege teilweise nicht mehr zu inkubieren, da die
Nachzuchten in manchen Regionen schwer abzusetzen sind. - Wer spekuliert und
glaubt, mit vielen Zuchttieren das große Geld machen zu können, der wird sehr
bald merken, daß er sich verrechnet hat. Eine kostendeckende Zucht zu
erreichen, ist fast unmöglich, einen Gewinn zu erzielen, so gut wie
ausgeschlossen.
Bartagamen sind Tiere, die man hält, weil man sie mag und die ganz klar Geld
kosten.