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12000 km durch Down Under (Seite 4)
Reisebericht von Peter M. Müller


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In Healsville befindet sich das Healsville Wildlife Sanctuary. Dieser Zoo beherbergt einen großen Querschnitt durch die australische Fauna. Gezeigt werden viele Vögel (Leihervögel, Kakadus, Emus, Eulen und Greifvögel), Säugetiere (Tasmanischer Teufel, Känguruhs, Wallabies, Dingos, Koalas, Schnabeltiere, Wombat) und einige wenige Reptilien wie u.a. Östliche Bartagamen (Eastern Bearded Dragons, Pogona barbata) und Wasseragamen (Water Dragons, Physignathus lesueurii) in einem herrlichen Aquaterrarium.

Von Healsville führte unsere Reise nach Phillip Island, eine unmittelbar der Küste vorgelagerte Insel. Hier wollten wir die Penguin Parade besuchen, um die dort lebenden Elfenpinguine (Fairy Penguins, Eudyptula minor) bei ihren Nistplätzen zu beobachten.

Zuerst statteten wir jedoch dem im Zentrum der Insel gelegene Koala Conservation Centre einen Besuch ab. In der großen, urwüchsigen und natürlich belassenen Parkanlage leben mehrere Koalas (Phascolarctes cinereus), die mit ein wenig Glück und unter Zuhilfenahme der von Rangern aufgestellten Hinweisschilder in den Kronen der Eukalyptusbäume entdeckt werden können.
Im Herzen der Anlage befindet sich ein großzügiges, abgegrenztes Areal, in dem sich 5 Koalas aufhalten. In diesem Bereich führt ein Holzsteg die Besucher in mehrere Meter Höhe, von wo die Koalas aus der Nähe betrachtet werden können. Teilweise ruhen die Koalas, die rund 19 Stunden des Tages mit Schlafen und die restliche Zeit mit dem Fressen von Eukalyptus- blättern verbringen, in unmittelbarer Nähe des Holzsteges.
Das Koala Conservation Centre ist aber kein Streichelzoo und somit hat ein Berühren der Tiere tunlichst zu unterbleiben, zumal auch verletze Tiere aufgenommen werden, die später wieder in die Freiheit entlassen werden sollen und für die sich eine zu große Gewöhnung an den Menschen später nachteilig auswirken würde.

Koalas (Phascolarctes cinereus),
Koala Conservation Center, Phillip Island, VIC
(Foto: P.M. Müller)


Frühzeitig vor der Dämmerung suchten wir den Summerland Beach auf. Hier wurden zwei große Tribünen in die Dünen am Strand gebaut, von denen aus die Penguin Parade beobachtet werden kann. Mit Einsetzen der Dämmerung sammeln sich in der Brandung des Meeres größere, teilweise über 100 Tiere zählende Gruppen, der lediglich zwischen 30 und 35 cm großen Elfenpinguine, um im Schutz der Gruppe ihre in den Dünen gelegene Nisthöhlen aufzusuchen. Im August suchen die Fairy Penguins ihre alten Nistplätze (Erdhöhlen und Felsspalten) auf, oder graben in dem sandigen Boden neue Brutstätten. Nach der Ablage von ein bis zwei Eiern zwischen September und November schlüpfen nach 35 Tagen Brut die ersten Jungtiere, die in den ersten Lebenswochen permanent von einem Elternvogel betreut werden, während der andere für die Nahrungsbeschaffung zuständig ist.
Das einmalige Schauspiel der Strandüberquerung leidet allerdings stark unter den vielen Touristen, die trotz aller Hinweise und häufiger Ermahnungen durch die anwesenden Ranger nicht ruhig sitzen bleiben und das Blitzlichtverbot ignorieren. Es ist sehr traurig zu sehen, wenn einzelne Tiere durch diese Störungen mitten auf dem Strand stehen bleiben, hierdurch den Schutz der Gruppe verlieren und verängstigt wieder zurück ins Meer laufen. Der Jungvogel wird an diesem Abend unter Umständen nicht mehr gefüttert.
Bei der nächtlichen Rückfahrt ist, wie übrigens überall in Australien, Vorsicht geboten, da oftmals Känguruhs bei Dunkelheit unterwegs sind, die von den Autoscheinwerfern geblendet, reglos auf der Straße verharren.

 

Von Phillip Island aus ging die Fahrt weiter auf der der Küste folgenden Great Ocean Road in den zwischen Princetown und Petersborough gelegenen Port Campbell NP, der 35 km lang, aber lediglich etwa 300 m breit ist.

Die Great Ocean Road folgt - für australische Verhältnisse extrem kurvenreich - der Küstenlinie und bietet wunderschöne Blicke auf den flaschengrünen bis tiefblauen Indischen Ozean. Die Küstenlinie wird hier während des ganzen Jahres von Sturmfronten aus der Antarktis überzogen. Dichter Nebel, Dauerregen und starker Wind sind häufig anzutreffen. Durch diese Witterungsbedingungen hat dieser Küstenstreifen auch den Beinamen „Shipwreck Coast“ erhalten. Im Port Campbell NP liegen bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Twelve Apostels (12 große, der Küste vorgelagerte, verwitterte, der See trotzende Felsnadeln) und

 

Parkanlage des Herrenhauses Werribee Park Mansion,
Werribee, VIC  (Foto: P.M. Müller)

Blick auf die Küste in Richtung 'Twelve Apostels' vom Discovery Walk,
Port Campbell, VIC  (Foto: P.M. Müller)
Typische Flora des Küstenstreifens im Port Campbell NP,
Loch Ard Gorge, VIC  (Foto: P.M. Müller)

The London Bridge (eine ehemalige Landzunge, die wie eine Brücke mit zwei Bögen ins Meer reichte, bis der dem Land zugewandte Bogen Anfang des 20. Jahrhunderts einbrach) und dem Loch Ard Gorge (eine von der Brandung ausgehöhlte Schlucht). Bei Loch Ard befindet sich etwas landeinwärts gelegen ein Blow Hole. Es handelt sich hierbei um eine Öffnung im Erdboden die über ein unterirdisches, rund 100 m langes Kanalsystem mit dem Indischen Ozean verbunden ist. Durch die Brandung wird Wasser durch die Kanäle gedrückt, das laut brodelnd aus der Öffnung heraus schießt. Neben diesen bekannten Sehenswürdigkeiten wird der NP vielerorts von Fußwegen, sogenannten Walks, durchzogen, die eine Erkundung der Natur ermöglichen. Diese Walks sind übrigens meist nur schmale Fußwege, die so angelegt wurden, daß die Touristen einerseits sicher geführt werden und andererseits die Natur nur wenig beschnitten wird.

Die Vegetation wird von Banksien, Akazien und Gräsern geprägt. Im Nationalpark sind rund 580 Pflanzenarten nachgewiesen, von denen 25 Arten zu den Orchideen gehören.


Loch Ard Gorge, Port Campbell NP, VIC  (Foto: P.M. Müller)

Weiter der Great Ocean Road und später dem Princess Hwy folgend fuhren wir über Portland in das etwas abseits liegende Cape Bridgewater.

Bei Cape Bridgewater findet sich der Shelly Beach, ein fast weißer Strand, der über und über mit Muscheln bedeckt ist, so daß jeder Fußtritt auf dem Strand vom leisen Knacken der Muschelschalen begleitet wird. Es sollen hier auch schon über 30 cm große Muscheln gefunden worden sein.
Eine weitere Sehenswürdigkeit des Ortes ist der Petrified Forrest, einem direkt an den Klippen gelegenen „versteinerten“ Wald. Die „Versteinerungen“ entstanden dadurch, daß die Stämme einst von Wanderdünensand umgeben wurden, der sich durch die Einwirkungen des salzigen Meerwassers wie eine Kruste um die Baumstämme legte, so daß ein Teil dieses Waldes nun schon über Jahrtausende erhalten blieb.
Bedingt durch das rauhe Klima entlang der Küste sind hier nur wenige Reptilien beheimatet. Da es sich hierbei meist um kleinere Arten, vornehmlich Skinke, handelt, bleiben sie dem Ausschau Haltenden meist verborgen.

Petrified Forest, umgebender Bewuchs,
Cape Bridgewater, VIC  (Foto: P.M. Müller)

"Versteinerte" Bäume, Petrified Forest,
Cape Bridgewater, VIC  (Foto: P.M. Müller)

Sukkulenten im Petrified Forest, Cape Bridgewater, VIC 
(Foto: P.M. Müller)

 

 


 

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© P.M.Müller und R.Kohlmeyer  03-04/2005

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